“Start with why” – Von der Lust, die Welt nachhaltig umzukrempeln

Andrea Holenstein · 7 min · 25.09.2017

Sorry, this entry is only available in German.

Wir lieben unser Co-Manifesto. Aber was genau bedeuten die ganzen Prinzipien? Und wie kann ich diese im Alltag leben? Erklärungsversuche aus dem Impact Hub Zürich Team und unserer Community. Dieses Mal:

„Start with why. We align passion, talent, purpose and profit.“  

 

Warum geben Menschen ihr regelmässiges Einkommen auf, um bis tief in die Nacht hinein und am Wochenende – meist für wenig(er) Geld zu arbeiten? Welche Rolle spielen dabei die Werte des Co- Manifesto? Ich habe im Impact Hub Zürich, dem Biotop der talentierten Weltverbesserer und tagträumenden Realistinnen, fünf ganz unterschiedliche Start-ups dazu befragt. Hier nun ihre Antworten.

 

„Hallo, warum hast du dein Start-up gegründet, falle ich per Telefon mit der Türe ins Haus. „Ja, das frage ich mich täglich”, lacht Loyall-Gründer Pascal Aubort, den ich auf Anhieb erwischt habe. Er denkt ein bisschen nach und erklärt dann: „Ich habe es in der IT-Branche einfach zu oft erlebt, dass aus der Unwissenheit der Kundschaft Profit geschlagen wird. Ihr Vertrauen wird missbraucht. So will ich nicht arbeiten.“

 

Loyall-Gründer Pascal Aubort

 

Kämpfe und Abenteuer im Markt für loyale Cloud-Services

Pascal hat deshalb vor rund einem Jahr seine eigene Firma gegründet und sie Loyall genannt. Das Start-up – so erklärt mir Pascal – bietet Beratung für und Umsetzung von Cloud-Services für Firmen und Schulen an. Beispiel: Ein Team arbeitet neu mit einem gemeinsamen Google-Sheet in der Cloud, statt Excel-Tabellen per E-Mail herumzuschicken. „Ich will nicht einfach Tools verkaufen, sondern ich will für meine Kunden und Kundinnen die Prozesse und die Zusammenarbeit vereinfachen“, sagt Pascal.

Das klingt sehr gut, doch ich lasse nicht locker: „Fällt es dir wirklich leicht, auf bezahlte Ferien und die Sicherheit, dass der Lohn am Ende des Monats auf deinem Konto ist, zu verzichten?“ Diesmal muss Pascal nicht lange überlegen: „Es ist wie eine andere Art von Abenteuer. Ich war davor längere Zeit auf Reisen. Da habe ich gelernt, mit Unbekanntem und mit Unsicherheit zurecht zu kommen. Und auch damit, mich finanziell einzuschränken. Darum fiel mir der Schritt in die Selbständigkeit leicht, als ich zurückkam. Klar, ich könnte heute fünfmal mehr verdienen. Aber hätte ich genauso viel Freude an meiner Arbeit? Sicher, ich muss kämpfen, niemand hat auf mich gewartet. Ich muss meinen Markt selber erschaffen. Aber ich habe auch enorm viel gelernt: Wie man eine Firma gründet, Buchhaltung macht…, vor allem aber, Geduld zu haben, bis der Kunde oder die Kundin das mehrmals verschobene Projekt dann doch endlich umsetzt.“

Und ja, Pascal ist sich ganz sicher, warum er tut, was er tut: „Es ist eine sehr coole Erfahrung und die Dankbarkeit der Kundinnen und Kunden ist für mich der Beweis, dass es mir bisher gelungen ist, Passion, Talent, Ziele und Profit auf eine faire Art unter einen Hut zu bringen.“

 

Nachtschichten für die Revolution im Nahverkehr

Als nächstes treffe ich mich mit Lydia Bosoni und Herbert Maerki vom Start-up Volantiss im Café Auer. Lydia beginnt: „Was wir im Bereich Mobilität machen wollen, gibt es noch nicht. Es wird einen positiven Einfluss auf unsere Lebensqualität und die Umwelt haben. Früher, als Angestellte, war es mir nicht möglich, so etwas zu erschaffen. Deshalb bin ich bei Volantiss eingestiegen und entwickle als President of the Board die Strategien.“

Und Herbert? „Ich sehe mich als Visionär und verändere gerne rückständige Strukturen zum Besseren. Seit einigen Jahren will ich die Art und Weise wie wir uns in Zukunft bewegen umkrempeln“, erklärt der Head Mission Control und Mitgründer. Doch was genau will Volantiss? Herbert erklärt: „Unser Schlagwort lautet «Mobility as a Service». Wir wollen ein offenes Mobilitäts-System möglich machen, das alle intelligenten und sauberen Verkehrsmittel miteinander vernetzt. Basierend auf der Blockchain-Technologie bauen wir eine dezentrale IT-Infrastruktur unter dem Namen «xways», auf die unsere Kunden mit einer App zugreifen können. Damit können sie ihre individuelle Mobilität leicht planen, buchen und bezahlen.

Volantiss vernetzt eigene Fahrservices mit anderen Anbietern wie E-Car Sharing, E-Taxi, E-Car Rental, Bikes sowie dem öffentlichen Verkehr, d.h. ausschliesslich elektrische, fossilfreie Mobilitätsmittel.“ Doch das ist nicht alles. „Das zweite Standbein von Volantiss“, erklärt Herbert weiter, „heisst «shareways». Es ist ein völlig neuartiger, pilotierter Door-to- Door Fahrservice mit E-Autos im Sharing Modus. „Dabei teilt man nicht nur das Fahrzeug, sondern gleichzeitig den Weg. So lässt sich der Verkehr markant reduzieren.“

Doch zur Umsetzung dieser Vision führt ein steiniger Weg, denn für Herbert ist es ist bereits der dritte Anlauf von Volantiss – Lydia ist erst vor eineinhalb Jahren dazu gestossen. „Genau, failing forward“, stimmt Herbert mir zu. Ich hake nochmals nach: Warum bleibt Herbert so hartnäckig an der Sache dran? Er könnte sich doch ein bequemeres Leben machen? „Wir wollen einen voll integrierten Service bieten, der Benzinmotoren ersetzt und die private Nutzung von Autos verändert. Wir wissen, wie das machbar ist, darum müssen wir es einfach tun. Es wird eine Revolution, ein Paradigmen-Wechsel!“ – Ich verstehe: Es ist diese Begeisterung, die Lydia und Herbert antreibt, sie bis spät in die Nacht und auch am Wochenende über ihrer Vision brüten lässt. Ich drücke beide Daumen, dass die Investoren diesmal einen längeren Atem haben.

 Lydia Bosoni und Herbert Maerki vom Start-up Volantiss

 

Indisches Design und Schweizer Hightech, ein Traumpaar

Ankita Thaker, die Chefin von Purple Peepal wirkt relaxt und unbeschwert wie eine Studentin, nicht wie eine zweifache Unternehmerin. „Meine erste Ausbildung habe ich in Architektur in Indien absolviert und die zweite in Landschaftsarchitektur in der Schweiz, an der ETH Zürich“, erzählt sie mir bei einem Capuccino. In den Jahren 2010/11 hat sie in Ahmedabad, Indien, ihre erste Firma gegründet. 2014 folgte die zweite in der Schweiz. Warum nicht den einfachen Weg gehen und das neue Knowhow nach Indien mitnehmen? „Die unterschiedlichen Herangehensweisen haben mich fasziniert“, sagt Ankita. „In der Schweiz legt man grossen Wert auf den Einsatz von neusten Technologien, auf Präzision und Qualität. In Indien dagegen werden unglaublich tolle Designs entwickelt. Meine Vision ist, für meine Kundinnen und Kunden diese beiden Ansätze zu kombinieren.“ Und es funktioniert! Purple Peepal – übrigens der Name eines Baumes – kann sowohl in der Schweiz als auch in Indien Projekte mit namhaften Firmen und für verschiedene Kunden umsetzen.

Und noch eine Spezialität hat das Indisch-Schweizerischen Start-up. In Ankitas Teams arbeiten nicht nur Architekten, sondern auch Handwerker. Dies auch deswegen, weil Purple Peepal sowohl Architektur, Innenarchitektur, als auch Landschaftsarchitektur und sogar Visual Graphic Design aus einer Hand anbietet. „Ich kann die traditionellen, indischen Handwerker auf diese Weise besser entlöhnen, ich habe mein eigenes Fairtrade-Konzept. Der Lohn ist etwas tiefer als in der Schweiz, aber höher als in Indien üblich“, erklärt Ankita. Und sie lässt die Schweizer Mitarbeitenden Praktikas in Indien und umgekehrt machen. Kulturaustausch, nicht Kulturtransfer, ist ihr Ziel. Passion, Talent und Sinn sowie ein (fairer) Profit sind Werte, die bei Purple Peepal nicht nur geschätzt, sondern gelebt werden.

Es kommt aber noch etwas Weiteres dazu: „Meine Arbeit muss Spass machen – sonst hat alles keinen Sinn“, sagt Ankita. Wer die sorgfältig und eigenwillig designten Häuser, Gärten und Möbel von Purple Peepal auf der Website sieht, versteht sofort, warum die Verschmelzung von Ost und West Ankita und ihrem Team Spass macht – und sich darüber hinaus auch noch gut verkauft.

Ankita Thaker, die Chefin von Purple Peepal

 

Warum die Rüebli vom Bauern nebenan auf meinem Teller landen sollen

Robin Müller weilt zwar zurzeit in Haifa, Israel, und der Netzzugang ist nicht immer gewährleistet, doch er ist sofort bereit, sich meiner Frage zu stellen: „Warum, Robin, braucht die Welt Farmtasy?“ – „Ein Drittel der Treibhausgase weltweit werden durch die Landwirtschaft verursacht“, antwortet Robin. „Die Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte wissen kaum, woher diese kommen und wie sie produziert wurden. Wer Lebensmittel direkt bei den Produzenten kauft, weiss dies und kann so umweltfreundliche Produkte bevorzugen. Wir wollen für die Produzenten ein stabiles Einkommen sowie Unabhängigkeit. Und für die Endkonsumenten frische, regionale Produkte sowie die Unterstützung der Region, in der sie leben. Regionale Produzenten und Konsumenten müssen sich also finden. Mit Farmtasy stellen wir die Verbindung zwischen beiden Seiten her und helfen den Produzenten, ihre Produkte mit Hilfe moderner IT-Technologie direkt zu verkaufen. Farmtasy hilft also, nachhaltige, regionale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen und somit den Ausstoss von Treibhausgasen zu senken.“

Und wie schafft es Farmtasy, ideelle Werte und Profit in Einklang zu bringen? „Unser Antrieb ist unsere Passion für regionale Produkte und Nachhaltigkeit. Sinn entsteht für uns dadurch, dass wir mit unseren Talenten Innovation in die Landwirtschaft bringen können. Profitabel wird das, was wir tun, durch den Verkauf unserer Software und unserer Dienstleistungen.“ Und wo liegen die Herausforderungen oder wo gibt es einen Widerspruch? Robin: „Innovation beziehungsweise das Einbringen unserer Talente ist leider nur teilweise möglich. „Break it down to the farmers“ ist eine grosse Herausforderung, d.h. unsere Vision ist nur langfristig umsetzbar, da sie grosse Verhaltensänderungen bei den Landwirten voraussetzt.“

Robin Müller von Farmtasy

 

Leute, verändert die Welt – kauft ethisch verantwortliche Mode!

Nathalie Gewerc Cohen ist an diesem Tag meine Tisch-Nachbarin im Impact Hub. Sie betreibt eine Plattform, die den Menschen Informationen und Tools anbietet, um ihr Verhalten als Mode- Konsumenten zu ändern.

„Was treibt dich an, warum hast du dein Start-up Fashion Flip gegründet?“ frage ich sie. „Weil die Mode-Industrie ein Geschäft ist, das die Umwelt extrem verschmutzt, unfair ist und innerhalb der Supply Chain gravierende Probleme hat. Dies zu ändern ist eine grosse Herausforderung, doch ich bin überzeugt, dass Veränderung möglich ist und wir alle dafür verantwortlich sind. Ich habe mich mit den Gründen auseinandergesetzt, warum die Leute noch immer Kleider kaufen, die nicht ethisch hergestellt worden sind. Daraus entstand die Idee, die Plattform Fashion Flip zu gründen, um die Leute zu informieren und sie zu überzeugen, nachhaltiger einzukaufen. Meine Idee beruht auf zwei Visionen: Mode soll ethisch verantwortlich sein und die Welt braucht Veränderung. Weil immer mehr Leute ebenfalls in Einklang mit ihren Wertvorstellungen einer nachhaltigen Welt und einer fairen Gesellschaft leben wollen, bin ich zuversichtlich, dass sie von meinen Ideen profitieren können. Obwohl, das gebe ich zu, manchmal machen es meine Leidenschaft und mein Idealismus schwieriger, mich zu fokussieren, da ich so viele Ideen habe, wie mein Business sein sollte.”

Nathalie Gewerc Cohen von Fashion Flip

 

How can I contribute to make this world more green and fair? After achieving my Master’s Degree in Communications at the University of Lugano (USI) in the year 2011, I was in the perfect mood for new horizons. Hence, I decided to pass on my newly-acquired knowledge with my long-standing
Andrea Holenstein, Communications

info@greenfocus.ch

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *