„Befasst euch mit ICO, es wird die Wirtschaftswelt verändern!“

Andrea Holenstein · 8 min · 03.09.2018

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Die Blockchain-Branche wächst rasch, ein neues Ökosystem entsteht samt speziellen Jobprofilen. Wer vor der komplexen Materie nicht zurückschreckt und bereit ist, sich ins Thema reinzuknien, hat gute Chancen auf einen interessanten Job. Aliya Das Gupta ist eine dieser Neugierigen, die sich die Welt von ICO und Blockchain erschlossen haben. Im Interview berichtet sie, wie sie ins Zuger Crypto Valley gelangt ist, was dort ihre Aufgabe ist und für welche Art von Firmen ein ICO Sinn macht.

 

Als Aliya Das Gupta(1) in die Schweiz kam, wollte sie möglichst rasch wieder arbeiten. Und weil sie neugierig und offen auch für ungewöhnliche Job-Möglichkeiten war, nahm sie das Angebot einer Blockchain-Firma ohne zu zögern an. „Das Blockchain Business wächst enorm schnell“, sagt Aliya. „Wenn du Arbeit finden möchtest diese neue Branche braucht gute Leute.“ Dass das Thema Blockchain komplex ist und hier vieles noch in den Kinderschuhen steckt, hat sie nicht abgeschreckt. Wer dabei sein wolle, müsse sich eben informieren und bereit sein, viel zu lernen. Aliya tat dies gründlich und mit so viel Engagement, dass sie bei der jetzigen Firma innert kürzester Zeit von der Teilzeit-Angestellten, die White Papers (2) verfasste, zum Research Consultant und schliesslich zum Head of Research befördert wurde. „Da war auch viel Glück dabei“, sagt Aliya bescheiden. Doch Erfolg besteht bekanntlich zu 99 Prozent aus Schweiss. Ihr Studium und die Arbeitserfahrung auf dem Gebiet „Research and Policy “ kamen Aliya zugute: Die Branche brauche Leute, die es verstünden, komplexe Inhalte zu analysieren und einfach zu erklären, sagt sie. Stellen wir ihr also ein paar Fragen.

 

Aliya Das Gupta – Head of Research at Bussmann Advisory

 

Wer sind die Kundinnen und Kunden, die Unterstützung beim ICO brauchen?

Es sind Firmen, die Kapital benötigen, deshalb ein Initial Coin Offering ICO (3) launchen wollen und dafür Hilfe brauchen. Ich arbeite bei Bussmann Advisory, die auf dieses Thema spezialisiert sind. Meine Aufgabe dort ist es, zu prüfen, ob die Kunden die Bedingungen für ein ICO erfüllen. Für manche Projekte ist es zudem nötig, zu recherchieren.

 

Was sind denn die Kriterien, die für ein ICO erfüllt sein müssen?

Natürlich braucht es eine gute Business-Idee und die muss auf der Blockchain-Technologie aufgebaut sein. Diese Idee muss sodann in einem White Paper verständlich und überzeugend dargelegt werden. Und ausserdem braucht es ein gutes Team, das die ICO abwickeln kann. Manchmal sind zusätzlich externe Experten nötig. Weiter muss das neue Produkt oder der neue Service bereits eine grosse Anzahl Nutzer haben. Und es müssen institutionelle Investoren sowie Venture Capital vorhanden sein.

 

Ist ICO nur etwas für Start-ups?

Nein, ICO wird auch von grossen Unternehmen und Banken genutzt. Beispielsweise plant Singapur Airlines einen ICO für ihr Loyalty-Programm KrisPay.

 

Wer spielt in der Blockchain-Welt ausserdem eine Rolle?

Für das globale Blockchain-Ökosystem sind Organisationen wie zum Beispiel das Blockchain Research Institute in Kanada von Bedeutung. Die haben viel Erfahrung mit ICO. Wichtig ist auch der regelmässige Austausch in der Arbeitsgruppe der Crypto Valley Association in Zug, wo ich ebenfalls Mitglied bin.

 

Wann lohnt es sich für eine Firma, ein ICO durchzuführen?

Die Firma muss innovativ sein, gute Markt-Chancen haben, skalierbar sein und ausreichend potenzielle Kunden vorweisen können. Ganz wichtig ist, dass Blockchain wirklich der Kern des Business Case ist. Firmen, welche diese Voraussetzungen erfüllen, haben gute Chancen, dass der ICO gelingt. Die meisten dieser Firmen sind in den Branchen FinTech, Gesundheitsversorgung, Video Games oder Mobilität tätig. Weitere Unternehmen sind im Supply Chain Management aktiv und verwenden beispielsweise Smart Contracts (4). Gerade in den Smart Contracts steckt ein grosses Potenzial. Hier geht es um die Zustimmung (approvals) unterschiedlicher Parteien zu geschäftlichen Vereinbarungen und Prozessen. Mit Smart Contracts kann Vertrauen zwischen den Parteien aufgebaut werden, sodass keine Kontrollorgane mehr nötig sind, weil alles transparent abgewickelt wird. Werden Vertragsabschlüsse auf traditionelle Weise – und mit Hilfe Dritter – abgewickelt, ist das kompliziert und dauert relativ lang. Mit Smart Contracts kann der gesamte Prozess beschleunigt, vereinfacht, und transparenter gestaltet werden. Dies wirkt sich auch positiv auf die Kosten aus.

 

Kannst du uns ein Beispiel, einer Blockchain-Anwendung nennen?

Ein gutes Beispiel für Smart-Contracts ist die Firma Smartcontainers.. Das Start-up ist gerade dabei, den Versand von Pharma-Artikeln in Containern zu revolutionieren. Pharma-Artikel sind teure Güter, die leicht verderben können. Es ist deshalb sehr wichtig, dass die Temperatur in den Containern im vorgeschriebenen Bereich bleibt. Die Smart-Container können sich selber überwachen. Sie melden laufend die Temperatur im Container, die sich auch selber regulieren kann. Weiter informiert der Container über seinen aktuellen Aufenthaltsort. Das ganze System basiert auf Smart-Contracts, d.h. alle Geschäftspartner wissen jederzeit Bescheid über die wichtigsten Eckdaten des Geschäftsprozesses. Auch die Rechnungen laufen über Smart Contract Payment und über Crypto-Währungen. Das ist ein wichtiger zusätzlicher Nutzen für alle Geschäftspartner.

 

Dies alles klingt aber doch etwas kompliziert…

Ja, so ist es. ICO gehen nicht mehr so locker über die Bühne wie noch vor ein paar Jahren. Damals reichte es in manchen Fällen, dass zwei Jungunternehmer eine coole Idee hatten und schon standen die Investoren Schlange. Das geht heute nicht mehr. Für ein ICO braucht es ein ganzes Team von Spezialisten, die unterstützend zur Seite stehen: Spezialisierte ICO-Berater, Rechtsanwälte, Steuerberater, IT-, Marketing- und PR-Fachleute. Einen Security Audit durchzuführen gehört inzwischen ebenfalls zum Standard, um Hacks vorzubeugen. Ausserdem gibt’s vor dem eigentlichen Initial Coin Offering die Vorverkäufe, die Pre-Sales. Die können umfangreicher sein als der ICO selber.

 

Was ist der Unterschied zu anderen Investitionsarten?

Bei Venture Capital wird erwartet, dass das Geld innerhalb von 10 bis 12 Jahren zurückfliesst. Bei einem ICO ist diese Frist viel kürzer, etwas 2 bis 3 Jahre. Nehmen wir ein Token mit einem Wert von 1000 Franken. Das kann sofort über einen Online Exchange gehandelt werden. Man spricht dann von einem kurzfristigen Cash out.

 

Ist ICO eine Möglichkeit, schnell zu Geld zu kommen?

Nein, ICO ist keine schnelle Geschichte. Es dauert sechs bis neun Monate, um den Prozess und einen Smart Contract aufzusetzen. Und das Start-up braucht ein starkes Team, das wirklich hinter der jungen Firma steht, sich voll und ganz einsetzt und über das nötige Knowhow verfügt. Die Investoren sind zwar oft weit weg, vielleicht in Korea. Doch sie recherchieren die Gründer sorgfältig: Beispielsweise checken sie deren Credibility über LinkedIn sowie über die gängigen Crypto-Netzwerke.

 

Welche Arten von Business eignen sich für den ICO?

Man braucht ein Token, das die Leute unbedingt haben wollen. Ein Produkt, nach dem es eine echte Nachfrage gibt oder einen Service, der ein Problem löst. Civic.io ist so ein Beispiel. Hier wird die Identitätsbeglaubigung von Personen inklusive Datenschutz durch Blockchain genutzt. Diese Dienstleistung hat Milliarden potentieller Nutzer und löst ein real existierendes Problem für staatliche Behörden oder beispielsweise NGOs, die mit geflüchteten Menschen zusammenarbeiten.

 

Man hört und liest viel über die Risiken und Gefahren von ICOs. Was sagst du dazu?

2017 ist das Blockchain-Geschäft und damit die Zahl der ICOs explodiert. Inzwischen hat sich die Sache etwas abgekühlt. Die Investoren verlangen eine sorgfältige Risikoprüfung, eine Due Diligence. Denn viele Gründer sind noch sehr jung. Deshalb sind gute Beraterinnen und Berater sehr wichtig. Sie reden bei der Entwicklung der jungen Firma mit und helfen, die richtigen Spezialisten zu finden. Aber natürlich weiss niemand im Voraus, welche Pferde gewinnen werden, dieses Riskio bleibt. Was aber klar ist: Blockchain ist nicht mehr der Wilde Westen für Start-ups, sondern dabei, ein normales Business zu werden – mit all den nötigen Regulierungen.

 

Wie schätzt du die Zukunft von ICO und Blockchain ein?

Blockchain ist mehr als ein Buzz-Word. Blockchain kann die perfekte Idee für ein Business sein und es massiv verbessern. Es wird ganze Branchen umkrempeln und in Zukunft einen grossen Einfluss auf unser Leben haben. Deshalb sollten alle wissen, worum es bei Blockchain und ICO geht. Mein Rat: Befasst euch mit ICO, es wird die Welt verändern.

 

1) Aliya Das Gupta arbeitet im Zuger „Crypto Valley“. Sie ist 29 Jahre alt und arbeitet als Head of Research bei der Firma Bussmann Advisory AG. Das Gupta stammt aus Bangalore, Indien, ist verheiratet und lebt seit 2017 mit ihrem Ehemann, einem Isländer, in der Schweiz. Sie ist Kommunikationsspezialistin und besitzt einen Masterabschluss in „Global Media and Communication“ der University of Melbourne, Australia. Anschliessend hat sie im Bereich „Research and Policy“ für einen führenden indischen Think Tank und für Indiens zweitgrösste politische Partei gearbeitet. Aliya Das Gupta ist Mitglied des Impact Hub Zürich. Was Aliya im Interview berichtet, ist ihre persönliche Sicht der Dinge. Das Interview wurde auf Englisch geführt.

 

2) Ein White Paper ist eine Übersicht über Leistungen, Standards und Technik zu einem Themengebiet, ursprünglich vor allem im IT-Bereich. White Papers werden immer öfter als Marketing-Instrumente eingesetzt, insbesondere bei ICOs für die Gewinnung von Investoren.

 

3) Beim Initial Coin Offering (ICO) handelt es sich um ein sehr ähnliches Konzept wie bei einem Börsengang (Initial Public Offering, IPO). Statt Aktien werden beim ICO jedoch Tokens verkauft. Sie dienen als Währung, um das betreffende Projekt zu finanzieren. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Tokens: 1. Nutzungs-Token, die Zugang zu einer (zukünftigen) Nutzung oder Dienstleistung geben, 2. Anlage-Tokens, d.h. Vermögenswerte wie z.B. Anteile an Unternehmen, Erträgen oder ein Anspruch auf Dividenden oder Zinszahlungen (vergleichbar Aktien oder Obligationen). 3. gibt es auch Zahlungs-Tokens, d.h. reine “Kryptowährungen”, die nicht mit weiteren Funktionalitäten oder mit Projekten verknüpft sind. Beispiel eines Nutzungs-Tokens ist der von storj.io angebotene Speicherplatz. Vgl. zum Thema ICO den Blogpost .

 

4) Smart Contracts sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen oder die Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags technisch unterstützen. Eine schriftliche Fixierung des Vertrages (auf Papier oder in einer Datei) wird damit unter Umständen überflüssig. Smart Contracts können zum Beispiel die Handhabung von Copyright-Lizenzen oder finanzielle Transaktionen abbilden. (Wikipedia)

 

How can I contribute to make this world more green and fair? After achieving my Master’s Degree in Communications at the University of Lugano (USI) in the year 2011, I was in the perfect mood for new horizons. Hence, I decided to pass on my newly-acquired knowledge with my long-standing
Andrea Holenstein, Communications

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