Mit Blockchain-Technologie gegen die Internet-Giganten

Andrea Holenstein · 7 min · 29.10.2018

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Blockchain wird uns helfen, die Hoheit über unsere persönlichen Daten zurückzuerlangen und die Monopole der Internet-Giganten elegant auszudribbeln. Davon ist Crypto-Robby überzeugt. Seine Mission: Der Welt Blockchain erklären, damit sie für den Aufbau einer besseren Welt genutzt werden kann. Ein Gespräch über die Zukunft von Blockchain mit dem österreichischen Blockchain-Enthusiasten, ICO-Berater, Speaker, Token-Ökonomen und Blogger Robert Schwertner alias Crypto-Robby.

Robert Schwertner alias Crypto-Robby


Wie sollen Kryptowährungen zu einer besseren Welt beitragen, wenn ihnen doch nachgesagt wird, sie seien bestens geeignet für kriminelle Machenschaften, Terrorfinanzierung, Geldwäscherei und Spekulationszwecke?

Ersetz den Begriff „Kryptowährungen“ mal durch Geld. Wird Geld nicht auch von Kriminellen genutzt? Sollen wir es deshalb abschaffen? Kryptowährungen sind nur eine Form von Geld. Sie unter Generalverdacht zu stellen, greift zu kurz.

 

Ok, aber wie kann ich sicher sein, dass meine Geldüberweisung dort ankommt, wo ich sie haben will?

Beim Online-Banking machst du einen Zahlungsauftrag über 100 Franken an deine Bank. Diese überprüft deinen Kontostand und schickt die Summe weiter an die Empfänger-Bank. Diese garantiert, dass das Geld beim Empfänger ankommt und dass die Gesetze eingehalten werden. Viel praktischer wäre es aber, wenn du dein Geld direkt an den Empfänger schicken könntest. Eine einfache Technologie wie E-Mailing wäre praktisch. Doch E-Mails können manipuliert werden, und noch wichtiger: Bei E-Mails behalte ich eine Kopie. Bei Zahlungen hingegen muss gewährleistet sein, dass ich keine Kopie des Geldes behalte. Nur der Betrag soll übermittelt werden, auf den der Empfänger anschliessend keinen Zugriff mehr haben darf. Genau diese Art von Technologie bietet Blockchain, bzw. eine Kryptowährung wie Bitcoin. Blockchain ist ein System, dem ich genauso vertrauen kann, wie meiner Bank.

 

Warum bist du so sicher, dass das problemlos funktioniert?

Weil Bitcoin mit einem sogenannten Key arbeitet, der wie eine Kontonummer funktioniert. Du kannst dem Key vertrauen, dass er eindeutig ist und nicht manipuliert werden kann. Was Blockchain nicht lösen kann, ist, dass Keys gestohlen werden oder dass Keys verloren gehen. Dies ist es aber vergleichbar mit der Problematik von Passwörtern: Geraten sie in falsche Hände, kann Schaden angerichtet werden. Nehmen wir zum Beispiel Bitcoin. Du kannst Bitcoin-Adressen und auch Keys, also Schlüssel, googeln, beispielsweise über etherscan.io. Sie funktionieren wie eine Konto-Nummer. Jede Person kann die Transaktionen nachverfolgen. Innerhalb von Sekunden hast du Zugriff auf alle Transaktionen. Und nicht nur du, auch die Finanzbehörden. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen unter den Kryptowährungen: Monero und Z-Cash. Die sind nur teilweise transparent. Doch auch hier erwarte ich, dass die Anonymität dereinst durch Transparenz ersetzt werden wird.

 

Was kritisiert wird, ist aber, dass niemand weiss, was da zwei oder mehrere Personen miteinander abwickeln. Wo ist hier die Kontrolle?

Drei wichtige Überlegungen dazu: Tauscht man Bitcoin bei sogenannten Exchanges – so werden Kryptowährungsbörsen genannt – zahlt man Euros oder Schweizer Franken ein und erhält Bitcoins dafür. Und hier muss man sich sehr wohl ausweisen. Es gibt allerdings einen Graubereich und hier ist die Kritik berechtigt: Man kann derzeit bei Bitcoin-Transfers nicht genau feststellen, ob ich wirklich Robby bin, vor allem wenn es Bitcoin-zu-Bitcoin Transfers sind. Diese Kontrolle fehlt aber, wie bereits erwähnt, auch beim Bargeld. Die Stimmen, die das Bargeld abschaffen wollen, sind allerdings nicht besonders laut. Denn es ist schon interessant, dass die 1000-Franken-Banknote 62 Prozent des gesamten Schweizer Geldes ausmacht. Wo zirkulieren diese Banknoten? Online jedenfalls kann man sie nicht finden. Bitcoin hingegen schon.

 

Wer überwacht die Kryptowährungsbörsen?

Die Finanzmarktaufsicht, beziehungsweise das Ministerium des jeweiligen Landes. Das funktioniert inzwischen sehr gut. Nehmen wir Südkorea, wo ich mich beruflich oft aufhalte. Rund 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung besitzt dort Kryptowährungen. Sie sind also bereits zu einem volkswirtschaftlichen Faktor geworden.

 

Kryptowährungen sind in der Schweiz aber immer noch etwas für Spezialisten. Ich kenne niemanden, der seinen Lohn in Bitcoin oder Ethereum ausbezahlt bekommt. Wird sich das schon bald ändern?

Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie stehen 2018 dort, wo Internet und E-Mail 1995 standen. Damals ging es hauptsächlich um das Bereitstellen bzw. um den Austausch von Informationen. Niemand dachte, dass das Internet viel mehr kann und ganze Branchen umkrempeln wird. Mit der Blockchain-Technologie ist es heute genauso. Blockchain nützt allen, aber diese Idee muss erst noch erkannt und weiterentwickelt werden. Deshalb habe ich auch die Initiative #ReturnonSociety gestartet. Mir ist wichtig, dass Blockchain-Anwendungen mit einem Mehrwert für die Gesellschaft entwickelt werden. Zum Beispiel Lösungen für Menschen ohne Bankkonto, um mit dem Mobiltelefon Währungstransfers durchführen zu können. Oder neue Mobilitätslösungen auf Blockchain, wie zum Beispiel www.drivedeal.io, wo Leute ihre privaten Autos vermieten können. Derzeit sind die Städte ja verstopft mit parkenden Blechhaufen. Neue Sicherheitslösungen wie beispielsweise das Schweizer Vorzeigeprojekt www.vaultsecurity.io. Auf dieser Plattform können Menschen ihre Wertsachen registrieren lassen, um bei Diebstahl oder Verlust nachzuweisen, dass dies ihr Eigentum ist.

 

Und wie steht es mit den Kryptowährungen im Alltag?

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich meine Miete, Lebensmittel, das Reisebüro oder den Geschäftspartner mit Kryptowährungen bezahlen kann. Österreich hat bereits in verschiedenen Kaufhäusern Bitcoin-Automaten und Bitcoin-Stores, zum Beispiel das House of Nakamoto in Wien. Ich selber werde bereits etwa zu 50 Prozent in Kryptowährungen bezahlt, die ich in Österreich, wo ich meinen Wohnsitz habe, auch versteuere. Es ist allerdings noch immer eine Herausforderung, meine Einkommens-Steuererklärung zu erstellen, obwohl meine Steuerberaterin eine ausgewiesene Krpytowährungs-Expertin ist.

 

Was macht dich so zuversichtlich, dass Blockchain allen einen Nutzen bringt? Werden durch die neun Technologie nicht nur die immer Gleichen, welche die Mittel dazu haben, noch reicher und mächtiger?

Blockchain startete als Projekt gegen den aufgeblähten Finanzapparat. Im Januar 2009 forderte der Britische Premierminister eine zweite Bankenrettung. Warum sollen marode Banken gerettet werden? Das Bitcoin-Projekt als erste Blockchain-Anwendung wollte die Auswüchse der Finanzindustrie mit einem Gegenkonzept konfrontieren und ein Finanzsystem ohne Banken, ohne Optionen, Futures und Spekulationsprodukte schaffen. Dieses Gegenkonzept wird sich langfristig durchsetzen. Die Machtblöcke der Finanzindustrie, von Internetgiganten und Staaten könnten auf lange Sicht dank Blockchain ihre Monopolmacht verlieren. Niemand wird mehr Daten sammeln können und dafür kassieren wie heute beispielsweise Facebook. Oder die Pharma-Riesen, die Geschäfte mit Patienten-Daten machen wollen. Mit Blockchain könnten die Daten anonymisiert werden und ich wäre wieder Herr über meine eigenen Daten. Das gefällt mir. Wenn nur drei, vier Personen mitmachen, hat das noch keinen Effekt. Bei Millionen von Menschen schon.

 

Kommen wir zurück auf deine Initiative „Return on Society“. Welche Projekte gibt es, die der Gesellschaft mit Kryptowährungen und Blockchain-Technologie einen Mehrwert zurückgeben?

Ein Beispiel ist der Verkauf von Sonnenenergie von Peer zu Peer statt über Anbieter, beispielsweise wenn der Nachbar eine Fotovoltaik-Anlage hat und mir direkt Energie verkauft. Im Energiebereich haben die Platzhirsche zurzeit noch eine Monopol-Stellung. Sie können die Preise bestimmen und so viel Geld verdienen. Weitere Anwendungen werden in der Mobilität kommen. In Zukunft wird ein Auto allen gehören und wir werden es mieten, wenn wir es brauchen. Das Auto selber wird die Firma sein. Es liefert eine Leistung, indem es mich von A nach B bringt, sich selber wartet und Einkommen generiert. Die Prozesse, die es dafür braucht lassen sich super mit Blockchain abwickeln. Das Auto der Zukunft läuft natürlich elektrisch. Es könnte auch direkt an grüne Energie gekoppelt werden und in Stromeinheiten bezahlt werden. Es muss nicht immer Geld sein. Das Internet der Dinge ist schon da. In Südkorea sind die Menschen von Mega-Cities und der neusten Technologie begeistert. Unsere Zukunft wird in Asien entschieden werden, nicht in Europa. Dort leben die meisten Menschen. Wenn wir mithalten wollen, müssen wir verstehen, was da gerade passiert. Ein weiteres Projekt, das mich interessiert ist Islamic Banking. Der Koran verbietet, Geld zu Spekulationszwecken zu nutzen, es darf nur als Tauschmittel eingesetzt werden. Auch hier wird Blockchain und eine Kryptowährung eingesetzt werden, die nach den Prinzipien sozialer Verträglichkeit gehandelt wird.

 

Wo steht Blockchain jetzt und wie sieht die Zukunft aus?

Wie das Internet ist Blockchain zunächst von Programmieren für Programmierer gemacht und so schaut’s halt noch aus. Nutzerfreundliche Browser, Programme und Apps, an die wir gewöhnt sind, fehlen noch. Doch auch Blockchain wird nutzerfreundlicher werden und ich bin sicher, bald werden wir gar nicht mehr merken, dass wir Blockchain benutzen. Wir werden mit Schweizer Franken, Euros oder Kryptowährungen bezahlen und das wird normal sein. Aber wir müssen uns auch den ethischen Fragen stellen: Welche Projekte fördern wir? Wo gibt es einen gesellschaftlichen Mehrwert? Und dann klug mit der Blockchain-Technologie umgehen.

 

 

Über Crypto-Robby
Robert Schwertner nennt sich Robby, weil sein Vater den gleichen Vornamen trägt. In der Crypto-Szene ist er als CryptoRobby bekannt und der Name ist gleichzeitig eine EU-weit eingetragene Marke. CryptoRobby ist Experte für Blockchain Technologie und Kryptowährungen. Er berät Start-ups und Unternehmen in den Bereichen Blockchain und deren Anwendungen. Robby Schwertner ist Autor bei www.wallstreet-online.de und berichtet über aktuelle Entwicklungen im Bereich Kryptowährungen. Darüber hinaus ist er Sprecher auf internationalen Blockchain-Konferenzen, unterstützt den Österreichischen Normungsausschuss bei der Begriffsdefinition dieser neuen digitalen Technologie. Bevor er seine Aktivitäten im Bereich Blockchain startetet, leitete Robby Schwertner bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft das Forschungsprogramm Stadt der Zukunft, das sich schon frühzeitig mit Blockchain-Lösungen im Energiebereich für Smart Cities beschäftigte. Darüber hinaus war Robby Schwertner länger in China bei Industrieunternehmen im Energie- und Nanotechnologiebereich tätig. Mehr über Crypto Robby und Kontakt: https://cryptorobby.blog/me sowie www.linkedin.com/in/robby-schwertner/

How can I contribute to make this world more green and fair? After achieving my Master’s Degree in Communications at the University of Lugano (USI) in the year 2011, I was in the perfect mood for new horizons. Hence, I decided to pass on my newly-acquired knowledge with my long-standing
Andrea Holenstein, Communications

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