Meet the creators: Sarah Barber von Windspire

Sonja Bichsel · 7 min · 22.05.2018

Sorry, this entry is only available in German.

Wir sind davon überzeugt, dass sich die grössten Herausforderungen dieser Erde nicht von einer Person oder Organisation allein lösen lassen. Deshalb müssen wir alle zusammenarbeiten! In unserer monatlich erscheinenden Blog-Serie #MeetTheCreators stellen wir ein Mitglied unserer Community vor und zeigen auf, wie sie oder er dazu beiträgt, dass die Ziele für nachthaltige Entwicklung (SDG) erreicht werden.

 

Das SDG dieses Monats:

Das 7. Ziel für nachhaltige Entwicklung strebt den sicheren Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie an.

Das Mitglied, das wir diesen Monat vorstellen: 

Mitglied: Sarah Barber
Organisation: Windspire
Status: Gegründed, zusätzlich 40% Engagement an der Hochschule Rapperswil HSR
SDG: Nr. 7 – Bezahlbare, verlässliche, nachhaltige und moderne Energie

 

 

 

 

 

 

Du hast dich vor einem Jahr mit deinem Unternehmen Windspire selbständig gemacht, mit welchem Anliegen kommen deine Kunden zu dir?

Ich habe mich vor einem Jahr mit zwei Marken selbständig gemacht – Windspire und Mindspire. Windspire macht Windenergieberatung und Mindspire macht Coaching für Ingenieure. Am Anfang habe ich gedacht, ich biete in-house Seminare über Windenergietechnologie für Firmen an. Es gibt nicht viele technische Ausbildungsmöglichkeiten in der Windenergie – man kann zum Beispiel Ingenieurwesen studieren und nachher an ein paar Unis in Deutschland seinen Master in Windenergie machen – an zwei davon bin ich übrigens Dozentin. Aber es gibt nicht viele Leute, die die technische Seite wirklich gut verstehen. Eigentlich besteht schon Bedarf an Leuten, die Technologie besser zu verstehen, aber ich musste  leider feststellen, dass die Firmen kein Geld ausgeben wollen, um ihre MitarbeiterInnen weiterzubilden. Sie hoffen darauf, dass sie das nötige Wissen im Job erlernen. Ich habe die Idee noch nicht aufgegeben, aber bisher bin ich auf wenig Interesse gestossen und deshalb entwickle ich gerade ein paar neue Ideen.

Meine bisherigen Kunden kamen zu mir wegen meiner technischen Erfahrung und haben mich unter anderem beauftragt, technische Analysen durchzuführen, Anträge zu schreiben und Workshops zu moderieren.

 

Hast du in dem Prozess nochmal neue Ideen gesammelt?

Ja, das auf jeden Fall. Weil ich seit Januar 40% an der Hochschule für Technik Rapperswil arbeite, ist es auch einfacher, neue Kunden zu gewinnen. Als relative junge Beraterin mit 37 und als Frau, was man auch nicht unterschätzen darf, ist es nicht einfach, seine Beratung an Firmen zu verkaufen. Als Coach ist es noch schlimmer. Mit Windenergie kann ich 10 Jahre Erfahrung vorweisen, das zählt mehr. Aber die Kombination mit der Stelle an der Hochschule funktioniert besser. Ich habe Kunden kennengelernt, die Teil eines Forschungsprojekts sein wollen und dann Interesse an einer Zusammenarbeit mit Windspire haben. So kann ich zum Beispiel die Infrastruktur der Hochschule nutzen, um aufwendige Simulationen durchzuführen und diese dann mit anderen Arbeiten zu kombinieren.

 

Du hast vor einem Jahr gegründet und verdammt viel Sicherheit aufgegeben, um dich selbständig zu machen – wie geht es dir jetzt damit?

Ich habe vor einem Jahr angefangen und hatte ziemlich viel Sicherheit, da meine Partnerin gut verdient und mich unterstützt hat. Vier Monate später haben wir uns leider getrennt, und dann war ich alleine. Das muss man schon erwähnen, um deine Frage zu beantworten, weil ich natürlich dachte, dass ich diese finanzielle (und emotionale) Sicherheit hätte. Meine erste Reaktion war – ich mache das nicht mehr, ich gehe zurück nach Norddeutschland oder sogar wieder nach England, wo ich ursprünglich herkomme. Aber ich habe dann doch weiter gemacht – und die Teilzeitanstellung hat sehr viel geholfen, weil ich damit meine Miete zahlen kann und auch psychologisch, weil es mir ein bisschen Struktur und Sicherheit gibt.

Jetzt geht es mir super. Ich möchte darüber auch ein Buch schreiben, weil es schon sehr spannend ist, kombiniert mit der Geschichte mit meiner ex-Partnerin. Ich habe dann alle zwei Wochen ein Tagebuch geschrieben und auf einer Skala von 1-10 notiert, wie es mir geht. Letztes Jahr im November war ich auf 0 und wollte aufhören, aber dann ging es bergauf. Man braucht nur eine einzige Zusage oder ein vielversprechendes Gespräch. Jetzt habe ich den Job an der Hochschule und arbeite hoffentlich bald 40% bei einem Startup in Zürich, dann bleiben mir noch 20% für meine eigenen Sachen.

 

Was hast du gemacht, um durch das Tief zu kommen?

Ich mache seit einigen Jahren regelmässig Meditation und Yoga. Ich denke nicht, dass man Meditation und Yoga als Schnelllösung machen sollte, damit es einem dann sofort besser geht, das funktioniert eher nicht. Aber dass ich es schon seit Jahren regelmässig mache, hat mir geholfen mit der Veränderung umzugehen. Früher hätte ich gesagt –  meine Partnerin hat mich verlassen oder ich habe den Kunden nicht bekommen, ich bin nicht gut genug und hätte verbittert dagegen angekämpft.

 

Woher kommt dein Engagement und deine Begeisterung für Windtechnologie?

Ich hatte immer eine Begeisterung für Wissenschaft und Technik und habe gerne Mathe und Physik in der Schule gemacht. Bis 16 wusste ich nicht, dass es Ingenieurwissenschaften als Fach überhaupt gibt. Dann kam eine Ingenieurin aus der Autoindustrie an meine Schule und hat die Welt des Ingenieurwesens vorgestellt. Ich habe mich in die Idee verliebt, Ingenieurin zu werden und später Ingenieurwesen studiert.

Die Anwendung war mir aber lange nicht klar. Ich habe während des Studiums eine riesige Begeisterung für Sport-Ingenieurwesen entwickelt und meine Doktorarbeit über die Aerodynamik von Fussbällen geschrieben. Damit habe ich gleich zwei Leidenschaften miteinander verbunden: Fussball und Ingenieurwesen. Aber nach meiner Doktorarbeit dachte ich mir, schön und gut, dass ist spannend, aber eigentlich geht es hier viel um Marketing und wie man grossen Unternehmen helfen kann, noch mehr Geld zu verdienen. Ich wollte aber lieber einen positiven Beitrag leisten und etwas verändern in der Welt, nicht nur Sportprodukte entwickeln.

Das war 2007 und das Thema Klimawandel und CleanTech war auf einmal sehr prominent. Ich dachte mir, Fussballaerodynamik und Windenergieanlagen, das ist irgendwie ähnlich. Ich habe die ETH angeschrieben und vorgeschlagen, doch etwas zu Windenergie zu machen. Das hat der Prof cool gefunden und mir eine Stelle angeboten. Seither bin ich in der Windenergie und bin davon total begeistert.

 

Du hast für ganz unterschiedliche Organisationen gearbeitet – die Uni, das Fraunhofer-Institut, für ein Windtechnologie Startup und einen Energieversorger. Du scheinst den Dingen gerne auf den Grund zu gehen?

Ich wollte nach meinem Postdoc eigentlich eine akademische Karriere verfolgen, aber irgendwann habe ich mich dagegen gewehrt, nur an der Anzahl meiner Publikationen gemessen zu werden. Ich wollte in der Industrie arbeiten und was näher an der Realität machen. Zuerst habe ich bei der BKW in Bern gearbeitet und nachher für ein Startup. Ich habe dann gemerkt, dass sich die Schweiz sehr schwer tut mit der Windenergie. Daher habe ich mich entschlossen, nach Norddeutschland zu gehen. Ich wollte mit Leuten arbeiten, die meine Begeisterung für Windenergie teilen und nicht nur mit denen, die man erst überzeugen muss. Deshalb der Wechsel zum Fraunhofer-Institut. Ich bin schon eher jemand, der neue Sachen aufbaut und in Angriff nimmt.

Sarah Barber von Windspire

 

Und wie sieht es jetzt mit der Windenergie in der Schweiz aus, insbesondere nach der Energiewende?

Obwohl die neue Energiestrategie der Schweiz bereits Gesetz ist und vorsieht, 4’000 Gigawatt Stunden im Jahr an Windenergie zu erzeugen, gibt es enorm viel Opposition. Dabei müsste man rund 1000 Windanlagen bauen, um dieses Ziel zu erreichen. Irgendwann muss die Schweiz mitkommen, wenn sie 40% nukleare Energie mit erneuerbaren Energien ersetzen will.

 

Was meinst du, wieso gibt es so viel Widerstand gegen die Windkraft? Bei der Wasserkraft gibt es doch auch Einschnitte in die Natur?

Ich verstehe auch nicht wirklich, warum der Widerstand gegen die Windenergie in der Schweiz so gross ist. Manchen Leuten gefällt es einfach nicht, wie die Windanlagen aussehen und es gibt Gegner die sich immer neue Argumente gegen die Windkraft einfallen lassen – zum Beispiel das Windkraftanlagen krank machen, weil sie Infraschall erzeugen. Das sind Schwingungen, die man mit den Ohren nicht hören kann. Studien belegen diese Einwände aber nicht. Es gibt also auch viel Fake News rund um das Thema Windkraft.

Natürlich kann man die Anlagen sehen und man braucht relativ viele Windanlagen, um ein grosses Kraftwerk zu ersetzen. Trotzdem bleibt Windkraft die beste Lösung, wenn man vom Lebenszyklus der Anlagen ausgeht.

 

Geht es in deiner Arbeit auch um diese Überzeugungsarbeit?

Eigentlich nicht, eigentlich kümmere ich mich um die technische Seite. Aber da ich auch als Coach arbeite, hatte ich vor kurzem einen Workshop mit dem Kanton Thurgau, bei dem wir uns überlegt haben, was die verschiedenen Stakeholder besser machen können in der Umsetzung der Windenergie. Das geht ein bisschen in diese Richtung.

Seit Januar habe ich auch eine 40% Forschungsstelle an der Hochschule für Technik Rapperswil und baue ein Forschungsprogramm auf. Das ist ein neuer Start für die Schweiz. Die anderen Hochschulen tun sich immer noch schwer in die Forschung einzusteigen, insbesondere weil es in der Schweiz keine Industrie gibt und dann ist es natürlich umso schwerer für die Hochschulen Fördergelder zu beantragen. Wir hoffen jetzt, dass unser Programmgut anläuft und wir mehr Mitstreiter finden. Dann starten wir eine Windenergierevolution in der Schweiz.

 

Was für Problemen muss sich die Windenergie stellen?

Windenergieanlagen werden grösser und grösser und es wird schwieriger, noch grösser zu konstruieren. Es gibt inzwischen riesige Offshore Anlagen, die bis zu 200 Meter hoch sind. Die Windräder werden auf Lastwagen transportiert und das funktioniert nur, wenn ihr Durchmesser maximal 4 Meter beträgt. Auch die Blätter sind 100-150 Meter lang. Ebenso wie der Transport ist auch die Wartung von Offshoreanlagen, die Kilometer weit im Meer liegen, eine Herausforderung. Daran arbeitet die Forschung.

 

Was für Lösungen ist man derzeit auf der Spur?

Im Moment überlegt man zum Beispiel, ob es sinnvoll wäre, Windanlagen mit Solar zu kombinieren. Wenn es viel Wind gibt, wie in der Nacht, gibt es meistens keine Sonne und umgekehrt. Ich arbeite mit einem Startup in Zürich, das solche Kombilösungen entwickelt, die kleiner sind und an Häusern angebracht werden können. Kleinere Lösungen sind oft weniger rentabel und daher weniger interessant für Unternehmen, die Rendite machen wollen. Aber wenn man solche Anlagen als Hausbesitzer installiert, muss der erzeugte Strom langfristig weniger kosten als der Marktpreis und manche Menschen haben auch andere Gründe Energie-autark werden zu wollen. Ich überlege mir gerade, ob ich mir ein Solarmodul für meinen Balkon kaufen soll, aber das muss die Verwaltung genehmigen und das ist nicht ganz einfach.

 

Was könnte die ImpactHub Community tun, um positiv zu deinen Projekten beizutragen?

Sichtbarkeit ist natürlich ein grosses Thema. Ich habe für den Hub ein Skill Share Breakfast zum Thema Critical Thinking gemacht, das sehr gut angekommen ist und ich habe eine Diskussionsrunde des Imperfect Circle geleitet. Was man noch tun könnte – eine Veranstaltung zum Thema Windenergie organisieren und das ist ohnehin schon auf meiner Liste. Vielleicht könnte man auch versuchen, Investoren für Clean Energy Themen zu finden. Das wäre natürlich super.

 

 

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Sonja Bichsel, Storytelling, Communications, Civic participation, Education & Coaching

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