Gegründet – und jetzt? Alltagstipps für Unternehmer aus der Praxis

Gianina Caviezel · 5 min · 02.10.2016

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Student Impact

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In den vergangenen sieben Jahren durfte ich in der Rolle als Gründerin und Unternehmensberaterin die verschiedensten Geschäftsideen von Start-ups und KMUs kennenlernen und sie in den unterschiedlichsten Phasen unterstützen. Im Rahmen der Beratungsaufträge waren immer wieder ähnliche ‚Fehler‘ oder ‚Tücken‘ erkennbar, in die sich zahlreiche Unternehmen im Alltag regelmässig verstricken. Aus diesen über die Jahre hinweg gesammelten Erkenntnissen lassen sich drei strategische Tipps für den unternehmerischen Alltag ableiten, die nach der Gründung von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines Unternehmens sind.

 

  1. Die strategische Perspektive von oben

Jeder Unternehmer kennt den Alltagsstress. Kunden akquirieren, Aufträge koordinieren, Produkte weiterentwickeln, Partnernetzwerk aufbauen sowie hunderte kleine Dinge, die es sozusagen nebenbei zu erledigen gilt und die wichtig sind für den unternehmerischen Erfolg. Der Kalender eines Unternehmers ist prinzipiell immer voll. ‚Man soll nicht klagen, wenn‘s gut läuft‘ wird einem oft gesagt – was natürlich absolut stimmt. Als Unternehmer haben wir lieber zu viel als zu wenig zu tun. Doch die Tatsache, dass wir oft in unserem Alltag gefangen sind, stellt ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Unternehmer sehen häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, da sie sich nicht die Zeit nehmen auf einen Berg zu klettern und den Wald von oben zu betrachten. Dabei wäre genau ein solcher Wechsel der Perspektive zentral für den unternehmerischen Erfolg. Sich immer wieder eine Auszeit nehmen, aus dem Alltag ausbrechen und das Unternehmen aus der Vogelperspektive betrachten. Der strategische Blick von oben ermöglicht Reflexion und schafft geistigen Raum für Kreativität und Innovation, wodurch sich neue Zukunftsperspektiven eröffnen. Fragen zum aktuellen Stand des Unternehmens, seiner Positionierung im Markt, zur Zielerreichung und Weiterentwicklung lassen sich durch den gewonnenen Abstand besser beantworten. Es empfiehlt sich, solche Überlegungen nicht im gewohnten Umfeld anzustellen, sondern sich mental und physisch bewusst von Zeit zu Zeit hiervon zu distanzieren. Zeit in der Natur zu verbringen eignet sich beispielsweise ideal für solche strategischen Breaks.

 

  1. Der kritische Blick

Als Unternehmer sind wir stolz auf unsere Geschäftsidee und davon überzeugt, dass diese funktioniert und für unsere Kunden einen Mehrwert kreiert. Nicht selten setzen Gründer die rosarote Brille auf und sind der Meinung, keine Konkurrenz mit einem ähnlichen Produkt zu haben. Was Unternehmer dabei komplett vernachlässigen ist der kritische Blick auf die eigene Idee. Genauso wichtig wie die Kenntnis über die eigenen Stärken und zentralen Chancen im Markt ist das Verständnis über die unternehmerischen Schwächen und die möglichen Gefahren. Das Bewusstsein über die eigene Achillesferse und die bestehenden Risiken ist für den unternehmerischen Erfolg besonders relevant. Nur wenn wir nebst den vielversprechenden Aspekten auch die herausfordernden Facetten unserer Geschäftsidee kennen, können wir optimal im Markt agieren. Das bedingt die regelmässige und kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Konzept und die Offenheit, sich selbst für die herausfordernden Seiten des Unternehmens und möglichen Lösungen hierfür zu beschäftigen. Jede Geschäftsidee hat ihre Schwachstellen, mit welchen Unternehmer umzugehen haben. Diese Tatsache gehört zum unternehmerischen Alltag dazu und bedarf einer entsprechend offenen Auseinandersetzung. Das Gefährlichste an diesen Risiken ist es sie zu ignorieren und somit die fehlende Mitigation. Es empfiehlt sich folglich eine konstante Beobachtung der erkannten Schwachstellen sowie ein proaktives Vorgehen im Umgang mit diesen.

 

  1. Die konstante Nähe zum Markt

Wir leben in einer Zeit der ständigen Veränderung, in der Stillstand eine der grössten Gefahren darstellt. Dynamik, Flexibilität und Innovation sind gefragt. Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir bevorzugen Routine und Kontinuität, nicht aber Wandel und laufende Veränderungen. Eine menschliche Eigenschaft, die sich in der Konsequenz auch bei Unternehmen regelmässig beobachten lässt. Haben wir einmal eine gute Idee, halten wir an dieser fest. Doch der Markt entwickelt sich weiter, neue Trends entstehen und Bedürfnisse verändern sich. Es ist von grosser Wichtigkeit, stets am Puls der Zeit zu bleiben und sich laufend weiterzuentwickeln. Schon zahlreiche, einst erfolgreiche Unternehmen sind wieder aus dem Markt verschwunden, weil sie sich auf ihrem Erfolg ausgeruht haben und Marktentwicklungen ignorierten. Was heute top ist, kann schon morgen ein Flop sein. Unternehmer brauchen einen Spürsinn für die Gesellschaft von Morgen, einen Riecher für zukünftige Entwicklungen, um aus der Dynamik im unternehmerischen Umfeld die eigene Zukunft zu gestalten. Dies funktioniert allerdings nur direkt draussen im Markt. Es empfiehlt sich also regelmässig externes Feedback einzuholen, den Markt laufend zu beobachten, verschiedene Situationen proaktiv zu analysieren und zu hinterfragen und so immer in einer konstanten Vorwärtsbewegung zu agieren. Denn nicht selten verändern sich die Geschäftsmodelle von Unternehmen über die Zeit hinweg und entsprechen nach Abgleich mit den Entwicklungen im relevanten Markt nur selten der ursprünglichen Idee.

Gianina ist Gründerin von Student Impact – Management Consulting for Sustainable Ideas.



Gianina Caviezel, Management Consulting, Sustainability

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