CreativeMornings Zurich | Wie halte ich eine halbwegs akzeptable Rede?

Viktor Vogt · 7 min · 05.11.2016

Photos by
Nadja Zimmermann

Sorry, this entry is only available in German.

 

 Es ist uns allen klar: meistens zählt nicht das, was wir sagen, sondern wie wir es sagen bzw. wie wir auftreten. Irgendwie 80 zu 20 Prozent soll das Verhältnis sein. Das ist frustrierend und unfair. Wie wäre es, wenn man sich mit ein paar Tricks das Leben einfacher und einen Vortrag zugänglicher gestalten könnte. Ohne Schweissausbrüche dafür mit wohlwollendem Nicken aus dem Publikum. Gut, nicht jeder ist der geborene Speaker, aber es gilt ein paar Dinge zu beachten, damit alle den Vortrag einigermassen unbeschadet überstehen.

 

Warum Ich?

Es mag platt klingen, aber frag Dich, weshalb gerade Du präsentierten sollst, darfst, musst. Bist Du die Expertin auf Deinem Gebiet? Hast Du eine besonders gute Expertise geschrieben? Ein bahnbrechendes Konzept entwickelt? Toll.

Sei stolz darauf. Hey, Du wurdest auserwählt. Leute wollen Dich hören. Deine Story. Deine Gedanken. Nutze diese Gelegenheit. Enttäusche Deine Zuhörer nicht. Und nicht dich selbst.

 

Garderobe

Zieh etwas an, worin Du Dich wohlfühlst und Du bestenfalls schon mal anhattest. So kannst Du Dich auf die Materie konzentrieren, brauchst Dich nicht ständig zu fragen, ob sich die Schweissränder schon bis zum Ellbogen ziehen, Dein Bauchnabel beim Heben der Arme Hallo sagt, oder sich ungewollt Körperteile unvorteilhaft abzeichnen.

 

Kleines Warm-Up

Fühl Dich wie ein Schauspieler/Opernsänger bevor Du auf die Bühne gehst. Öle Deine Stimme (Warmup-Übungen dazu im Netz, hier mal eine ganz einfache). Ein Hustenanfall mit Auswurf ist nicht gerade ein guter Einstieg on stage. Nimm Dir zwei, drei Minuten Zeit, um Dich zu fokussieren. Wer bin ich (die kurze Version), wer ist mein Publikum und wo bin ich.

 

Nutze Lichtbilder

Bitte, verwende keinen Script. Nie. Nie. Nie. Das geht gar nicht (Lesen können die meisten nämlich selber). Alles verliert an Spannung, alles. Du verlierst den Augenkontakt zum Publikum, das Publikum verliert den Kontakt zu Dir. Es ist alles verloren.

Arbeite mit Bildern und Stichworten. Sie sind roter Faden, Gedankenstütze und Skriptersatz (siehe oben). Aussagekräftige, lesbare Bilder/Videos/Grafiken lassen einen Vortrag spannend und lebendig werden. Sie hauchen ihm Leben ein. Aber auch das will geübt sein. Zuhause. Allein, mit lauter Stimme und von Vorteil mit Stoppuhr. Dein Zeitmanagement wird Dir danken. Perfektionisten nehmen sich sogar auf Video auf.

 

Persönliches Einflechten

Auch wenn Du übernatürliche Kräfte hast, das Publikum hört ab und zu gerne eine lustige Geschichte aus Deinem echten normalen Leben. Lass sie daran teilhaben. Das lockert auf und macht Dich… menschlich, nahbar, sympathisch. Wenn es passt und Sinn macht und thematisch irgendwie einen Bogen zu Deinem Referatsthema schlägt. Ansonsten lass es. Aufgesetzt ist etwas gleichschlimm wie nicht authentisch.

 

Fehler sind ok

Die Technik versagt. Die Stimme lässt nach. Hustanfall. Verwechslung. Blackout. Panik. Sie lauern überall. Überall.
Ok. Ruhig Blut. Einmal durchatmen. Sich Wasser bringen lassen (oder bestenfalls schon ein Fläschchen mit auf die Bühne nehmen). Sich kurz sammeln und vor allem authentisch bleiben. Ja ok, mir ist ein Fehler passiert, nicht so schlimm. Nicht das Ende der Welt. Zwei Sätze zurückspulen, durchatmen, lächeln und wieder loslegen.

 

Fokus

Fokus. Fokus. Fokus. Überlege Dir gut, was die Kernaussage Deines Vortrags ist. Das Resultat einer Studie? Ein neues Produkt? Wo fällt der Vorhang? Wo zünde ich das Feuerwerk? Wo lass ich die Bombe platzen?
Schon in der Schule haben wir gelernt: Einstieg, Hauptteil, Schluss. Vor allem Anfang und Ende dürfen mit Fanfaren-Musik und Brimborium sein (Hauptteil möglichst mit Erkenntnisgewinn für die Zuhörenden). Und wenn’s fertig ist, darf man sagen, dass man fertig ist (oder etwas einfacher: jemanden im Publikum damit beauftragen das Klatschen zu initiieren).

 

So. Ich bin fertig.

Ach, und zum Schluss noch ein Highlight von einer Rede: Holley Murchison (CreativeMornings San Fransicso).

 

Vielleicht sehen wir uns ja am nächsten CreativeMornings Zurich Event am 18. November?

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