Working together to reduce food waste

Leider ist der Eintrag nur auf Englisch verfügbar.

Every year, 2 million tons of food are being thrown away in Switzerland. A fact, that the Swiss-based FoodTech startup KITRO  wants to change. The company has developed a technology to reduce food waste in restaurant kitchens and canteens. In 2017, KITRO participated in our innovation acceleration program Kickstart – and through this launched a successful pilot project with the Swiss retailer Coop. And the story goes on .. Find out more in the latest Kickstart blog post!

Die Chatbots kommen!

Die SBB bietet schon seit längerem eine Chatberatung an und auf immer mehr brandneuen, trendigen Websites poppt ein Chatfenster auf mit der Frage: „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Der Nutzer oder die Nutzerin wird anschliessend Schritt für Schritt durch einen Dialog geführt. Doch ist es – wie zurzeit noch bei der SBB – ein Mensch oder eine Maschine, mit dem/der wir da so locker schriftlich plaudern? Ein Gespräch mit der Chatbot-Spezialistin Sophie Hundertmark darüber, wie sich die Grenzen langsam verwischen und wie immer spezialisiertere Chatbots entwickelt werden.

Sophie Hundertmark

„Hallo. Ich freue mich, dass Sie auf meine Seite gekommen sind“, werde ich freundlich begrüsst, nachdem ich die Website hundertmark.ch aufgerufen habe. „Nett“, denke ich und möchte jetzt gerne einen Termin mit Sophie Hundertmark, der Spezialistin für Chatbots, abmachen. Doch ich kann lediglich die vorgeschlagene Antwort „gerne“ auswählen. Aha, ich spreche bzw. schreibe also – wie eigentlich erwartet – mit einer eher einfach gestrickten Maschine. Trotzdem bin ich neugierig, was jetzt passiert und klicke auf die vorgeschlagene Antwort „gerne“. „Ich bin Partnerin und Co-Founderin der h-square GmbH. Mein Fokus liegt auf Chatbots, Artificial Intelligence und Online-Marketing Strategien“, stellt sich die künstliche Sophie Hundertmark nun vor. Und bietet mir zur Weiterführung des Dialogs verschiedene Themen an:  Chatbots, Online-Marketing, Unternehmensgründung und einige weitere. Eigene Fragen kann ich also nicht stellen. Schade. „Ja, die Funktionen sind noch sehr beschränkt, lacht die „echte“ Sophie kurze Zeit später am Telefon, „das ist ein völlig simpler Chatbot, den ich in einer Stunde gemacht habe.“

 

Ein Chatbot muss einen echten Mehrwert bieten

Sophie ist eine der ersten Masterstudierenden der Schweiz, die zum Thema Chatbots geforscht haben. Inzwischen ist sie Keynote Speakerin zum Thema Chatbots, gibt Workshops, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und ist Partnerin der Firma Paixon GmbH, die Chatbots entwickelt. Über sich als Person spricht Sophie nicht so gerne, dafür aber umso lieber über unsere neuen künstlichen Freunde. „Natürlich können Chatbots heute bereits viel mehr“, erklärt Sophie. „In den letzten Jahren wurden enorme Fortschritte beim Verständnis natürlicher Sprache gemacht. Aus den von den Kunden gelieferten Daten können wir Inhalte und Strukturen herausfiltern. Daraus modellieren wir dann Dialoge, die nicht mehr festgelegten Regeln folgen und einem natürlichen Gespräch viel näher kommen.“ Was kostet es denn, so einen menschenähnlicheren Chatbot für die eigene Website entwickeln zu lassen? „Ein Chatbot muss schon einen echten Mehrwert bieten. Ist er schlecht gemacht, verärgert das die Kunden bloss. So von 10 000 Franken an aufwärts kann man etwas wirklich Nützliches entwickeln“, sagt Sophie.

 

Bots für Breaking News…

Dass Chatbots einen Nutzen bringen, zeigt ihre steigende Beliebtheit in der Kundenkommunikation. Chatbots werden heute sowohl vom Marketing als auch von Vertrieb und Service bereits recht intensiv genutzt. Hier zwei Beispiele solcher „klügerer“ Bots, wie Sophie Hundertmark sie in ihren Artikeln (s. Links unten) beschreibt: Da gibt es den Publisher Bot, der Kunden mit Info-Content beliefert, ähnlich einem digitalen Newsletter. Dies können aktuelle Nachrichten über das Unternehmen oder die Branche sein oder neue Angebote und Produkte. Natürlich sind die Inhalte auf die Vorlieben und Interessen der Kundinnen und Kunden abgestimmt. Auch Medienunternehmen nutzen News-Bots als zusätzlichen Service für aktuelle und potenzielle Kunden, beispielsweise das Wallstreet-Journal oder CNN. Diese Medien versenden regelmässig personalisierte Breaking News oder Stories, auf welche die Leserin oder der Leser über Chatbots reagieren kann. Und je intensiver der Chatbot genutzt wird, desto massgeschneiderter wird der Newsfeed. Ganz klar haben die künstlichen Freunde noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie sind auch eifrige Datensammler.

 

… für Fun und zum Zähne putzen

Neben dem Bereitstellen von massgeschneiderten Informationen beziehungsweise massgeschneiderten Angeboten und Werbung nutzen andere Chatbots die Freude der Menschen an spassigen Inhalten. Diese künstlichen Gesprächspartner heissen Funbots. Sie liefern unterhaltenden Content, bewerben aber auch gleichzeitig aktuelle Angebote und Produkte eines Unternehmens. Funbots wurden beispielsweise für den Film „Zootopia“ von Disney und für die National Geographic Serie „Genius“ entwickelt. Mit Hilfe dieser Funbots konnten die Nutzerinnen und Nutzer mit einem der Charaktere plaudern oder Rätsel lösen, die mit dem Film oder der Serie inhaltlich abgestimmt waren. Auch für Imagewerbung können Funbots eingesetzt werden: Unilever – unter anderem Herstellerin von Körperpflegeprodukten – entwickelte einen Bot, der Kinder für das regelmässige Zähneputzen mit virtuellen Spielen, Bildern und Stickers belohnt. Die Bots sind also auf dem Vormarsch und zwar bereits mit sehr spezialisierten Aufgaben.

 

Lieber mit dem Bot chatten als Produkteinformationen lesen

Eine Frage, die immer wieder auftaucht, stelle ich auch Sophie: Werden wir alle bald ein Alter Ego in Form eines Chatbots haben? Und werden die Bots uns Menschen in Zukunft bei Hotlines, an Schaltern und im Internet überflüssig machen? „Ja und nein“, sagt Sophie, „Chatbots werden uns vermehrt Arbeit abnehmen, beziehungsweise uns von repetitiver Arbeit entlasten. Doch uns ersetzen, das werden sie nicht. Es wird weiterhin beides brauchen, Menschen und virtuelle Assistenten.“ Einsatzmöglichkeiten für Chatbots sieht die Jungunternehmerin vor allem dort, wo sich Prozesse oft wiederholen, also beim Verkauf, im Kundenservice oder auch bei der internen Kommunikation mit Mitarbeitenden. Die Vorteile von Chatbots: Sie sind 24 mal sieben Stunden erreichbar. Sie werden nie unhöflich oder müde, auch wenn sie zig Mal die gleiche Auskunft geben müssen. Und den Nutzerinnen und Nutzern macht es einfach mehr Spass, einen Dialog zu führen, als E-Mails zu schreiben oder Produkteinformationen und Mitarbeiter-Infos zu lesen. Auch ich fand es nett und lustig, auf Sophies Website direkt angesprochen zu werden, auch wenn es sofort klar war, dass ich „nur“ mit einem Chatbot kommuniziere.

Wer sich weiter ins Thema „Chatbots“ einlesen möchte, kann das hier, hier und hier tun.

Machine Learning: Der Fahrplan optimiert sich selbst nach wenigen Minuten

Das kleine Team des Start-ups Aspaara Algorithmic Solutions AG hat im Januar den zweiten Platz in einem internationalen Wettbewerb der SBB gewonnen. Aspaara hat einen Algorithmus für eine „so gut wie perfekte Fahrplan-Lösung“ entwickelt, mit der sich der Fahrplan selber optimiert. Braucht es da überhaupt noch Planerinnen und Planer? Was können „Lernende Maschinen“? Und was haben wir Menschen den Computern (noch) voraus? Ein Gespräch mit Alexander Grimm, CEO und Co-Founder des Jungunternehmens Aspaara, das im Zürcher Technopark zu Hause ist.

Die Beiden Gründer von Aspaara, Kevin Zemmer (links) und Alexander Grimm (rechts)

 

Euer Start-up Aspaara Algorithmic Solutions AG hat gerade den zweiten Preis in einem internationalen Wettbewerb gewonnen, den die SBB ausgeschrieben hatte. Herzlichen Glückwunsch! Worum ging es dabei und was war an eurer Lösung besonders?

Danke! Ja, das war eine sehr gute Leistung unseres effizienten Teams! Die hohe mathematische Komplexität machte die Challenge auch aus wissenschaftlicher Sicht zu einer spannenden Herausforderung. Einfach waren die Wettbewerbsregeln auch nicht gerade: Die zur Verfügung stehenden Rechenkapazitäten waren limitiert, die inhaltlichen Voraussetzungen unverrückbar und der Zeitdruck war hoch. Unser Team hat einen völlig neuen Planungs-Algorithmus für den Fahrplan der SBB entwickelt, auf die Bedürfnisse der SBB massgeschneidert. Dieser Algorithmus errechnet anhand eines mehrstufigen Optimierungsverfahrens eine so gut wie perfekte Fahrplan-Lösung. Der Algorithmus kann sogar auf spontane oder wenig vorhersehbare Veränderungen und Ereignisse reagieren. Der Fahrplan optimiert sich selbst nach wenigen Minuten, die Rechenzeit ist sehr kurz. Wir sind ein kleines, kreatives Team und haben in nur drei Monaten weltweit über 400 IT-Experten und -Unternehmen ausgestochen. Das macht schon sehr stolz!

 

Was waren die besonderen Herausforderungen?

Die besondere Herausforderung liegt darin, dass Züge keine Autos sind, sie können sich nicht überholen. Züge haben unterschiedliche Prioritäten und spezifische Eigenschaften, d.h. ein TGV zum Beispiel hat Vorrang vor einer S-Bahn. Bereits die kleinste Störung auf einer Strecke zieht eine Kette von Folgeereignissen nach sich: Verpasste Anschlüsse, lange Wartezeiten für die Fahrgäste, finanzielle Ausfälle. Die ideale Lösung zu finden, das war unsere Herausforderung.

 

Was für Probleme löst Aspaara, ausser denen der SBB?
Wir erarbeiten algorithmische Lösungen, die dabei helfen, komplexe Aufgaben bei der Schicht- oder Zeitplanung, sowie im Logistikmanagement zu lösen. Das kann zum Beispiel die Unterrichtsplanung kombiniert mit dem Lehrkräfteeinsatz und der Zimmerbelegung einer Nachhilfeschule sein. Oder der Bereich Aircraft Ground Handling (Bodenabfertigung für Flugzeuge) am Flughafen Zürich. Flugzeuge beispielsweise kommen eigentlich nie genau pünktlich an, das macht eine effektive Planung basierend auf dem statischen Flugplan sehr schwierig, denn die ist eigentlich immer falsch. Unser System verbindet daher eine vorausschauende Planung mit einer selbstlernenden Optimierungssoftware. So konnten wir in einer Langzeitstudie knapp 5% an falsch geplanten Personalkosten einsparen.

 

Du bist Physiker, dein Mitgründer, Kevin Zemmer, ist Doktor der Angewandten Mathematik. Beide habt ihr an der ETH studiert. Auf den ersten Blick seid ihr typische Vertreter des sogenannten Elfenbeinturms, weit weg von der Praxis. Nun löst ihr ganz praktische Probleme. Sind Mathematiker und Physiker die neuen Unternehmer?

Mit Messungen die Welt zu verstehen, das ist eigentlich ein ganz klassisches Betätigungsfeld für Physiker wie ich einer bin. Neu ist seit einigen Jahren der stärkere Bezug zur Wirtschaft, da auch hier immer mehr Daten anfallen, die ausgewertet werden müssen. Mathematiker – wie zum Beispiel mein Mitgründer Kevin Zemmer – helfen dann, die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen mathematisch zu formulieren und zu verstehen. Und so tragen wir mit unserem datengetriebenen Optimierungsverfahren gemeinsam zur Lösung betriebswirtschaftlicher Probleme bei. Wir sind übrigens Mitglied in der Swiss Alliance for Data-Intensive Services. Hier geht es darum, unabhängig von Beruf, Ausbildung und Arbeitgeber, sich über die aktuellen Methoden und Best-Practices auszutauschen. Akademiker arbeiten hier mit Praktikern gut zusammen. Wir bei Aspaara verstehen uns als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis: Wir wollen die neusten, besten Methoden und Arbeitsweisen für unsere Kunden ausprobieren, anbieten und umsetzen.

 

Nun mischt ihr also bei handfesten Aufgaben mit, die früher ein Disponent oder eine Planerin erledigt hat. Macht ihr sie nun überflüssig? Ist das Szenario realistisch, dass uns Computer-Algorithmen bald komplett ersetzen werden und wir nur noch Däumchen drehen?

Aus unserer Sicht übernehmen unsere Algorithmen und Programme einerseits die einfachen, repetitiven Aufgaben und andererseits die extrem komplexen, schwer berechenbaren – also genau diejenigen Aufgaben, wo ein Mensch entweder unter- oder überfordert ist. Ein menschlicher Planer kann dann seine Kreativität auf die Fälle konzentrieren, wo es Fachwissen verbunden mit Sozialkompetenz braucht. So ergänzen sich Mensch und Maschine recht gut. Unsere Algorithmen sehe ich als Assistenz-System für Planerinnen oder Disponenten.

 

Was ist eigentlich ein Algorithmus?

Algorithmen sind Rechenregeln, um ein Problem mathematisch zu lösen, also eigentlich etwas recht Langweiliges (lacht). Diese Rechenregeln können jedoch in einer Sprache verfasst werden, die vom Menschen lesbar ist und von einem Computer ausgeführt werden kann. Genau hier wird es spannend und hier liegt die Kraft – und die Kunst: Alltägliche Probleme in algorithmischer Sprache zu formulieren und somit durch den Computer lösbar zu machen.

 

Können eure Algorithmen ohne euch dazulernen

Ja, einige unserer Module lernen mit jeder Interaktion dazu und verstehen somit die individuelle Herausforderung mit jedem Planungstag ein wenig besser.

 

Ist dies nun „Machine Learning“?

Ja, das selbständige Erkennen von Mustern in grossen Datenmengen und das entsprechende Dazulernen und Verallgemeinern, das ist Machine Learning.

 

Haben wir Menschen den Algorithmen und Computern denn noch etwas voraus?

Beim Erkennen von Mustern in Daten sind Maschinen klar schneller, präziser und besser. Wie ein Taschenrechner ja auch schneller und präziser rechnen kann als ein Mensch. Wir Menschen haben jedoch implizites Wissen, das nicht strukturiert abgelegt ist. Es haftet dem Menschen an, tacit knowledge auf Englisch. Das können Computer derzeit kaum oder nur sehr schwer erfassen. Obwohl in diesem Bereich natürlich auch geforscht wird und ständig neue Fortschritte verkündet werden.

 

Was bedeutet der Name Aspaara und wer steckt dahinter?

Der Name Aspaara ist ein Akronym und bedeutet Algorithmic Solution Provider. Mein Geschäftspartner Kevin Zemmer und ich sind die beiden Gründer. Wir kennen uns vom Studium, ergänzen uns sehr gut und für uns war rasch klar, dass wir nach dem Master zusammen eine Firma gründen wollten. Also legten wir gleich nach dem Studienabschluss los. Im ersten Jahr haben wir buchstäblich jedes Wochenende durchgearbeitet. Unsere Firma haben wir aus eigenen Mitteln finanziert. Wir sind seit den ersten Tagen von Aspaara eine profitable Unternehmung. Ohne hundertprozentiges Commitment hätten wir das nicht geschafft.

 

Welche Herausforderungen warten nun auf euch?

Wir möchten uns in den kommenden Jahren als der innovativste Anbieter von individualisierter, intelligenter Planungssoftware im deutschsprachigen Raum positionieren. Die meisten Anbieter haben eine Standardsoftware und suchen sich Kunden, auf deren Probleme ebendiese Standardsoftware passt. Wir hingegen untersuchen die ganz individuelle Situation und Herausforderung unserer Klienten und entwickeln dann eine massgeschneiderte Lösung für sie.

 

 

 

 

Mit Blockchain-Technologie gegen die Internet-Giganten

Blockchain wird uns helfen, die Hoheit über unsere persönlichen Daten zurückzuerlangen und die Monopole der Internet-Giganten elegant auszudribbeln. Davon ist Crypto-Robby überzeugt. Seine Mission: Der Welt Blockchain erklären, damit sie für den Aufbau einer besseren Welt genutzt werden kann. Ein Gespräch über die Zukunft von Blockchain mit dem österreichischen Blockchain-Enthusiasten, ICO-Berater, Speaker, Token-Ökonomen und Blogger Robert Schwertner alias Crypto-Robby.

Robert Schwertner alias Crypto-Robby


Wie sollen Kryptowährungen zu einer besseren Welt beitragen, wenn ihnen doch nachgesagt wird, sie seien bestens geeignet für kriminelle Machenschaften, Terrorfinanzierung, Geldwäscherei und Spekulationszwecke?

Ersetz den Begriff „Kryptowährungen“ mal durch Geld. Wird Geld nicht auch von Kriminellen genutzt? Sollen wir es deshalb abschaffen? Kryptowährungen sind nur eine Form von Geld. Sie unter Generalverdacht zu stellen, greift zu kurz.

 

Ok, aber wie kann ich sicher sein, dass meine Geldüberweisung dort ankommt, wo ich sie haben will?

Beim Online-Banking machst du einen Zahlungsauftrag über 100 Franken an deine Bank. Diese überprüft deinen Kontostand und schickt die Summe weiter an die Empfänger-Bank. Diese garantiert, dass das Geld beim Empfänger ankommt und dass die Gesetze eingehalten werden. Viel praktischer wäre es aber, wenn du dein Geld direkt an den Empfänger schicken könntest. Eine einfache Technologie wie E-Mailing wäre praktisch. Doch E-Mails können manipuliert werden, und noch wichtiger: Bei E-Mails behalte ich eine Kopie. Bei Zahlungen hingegen muss gewährleistet sein, dass ich keine Kopie des Geldes behalte. Nur der Betrag soll übermittelt werden, auf den der Empfänger anschliessend keinen Zugriff mehr haben darf. Genau diese Art von Technologie bietet Blockchain, bzw. eine Kryptowährung wie Bitcoin. Blockchain ist ein System, dem ich genauso vertrauen kann, wie meiner Bank.

 

Warum bist du so sicher, dass das problemlos funktioniert?

Weil Bitcoin mit einem sogenannten Key arbeitet, der wie eine Kontonummer funktioniert. Du kannst dem Key vertrauen, dass er eindeutig ist und nicht manipuliert werden kann. Was Blockchain nicht lösen kann, ist, dass Keys gestohlen werden oder dass Keys verloren gehen. Dies ist es aber vergleichbar mit der Problematik von Passwörtern: Geraten sie in falsche Hände, kann Schaden angerichtet werden. Nehmen wir zum Beispiel Bitcoin. Du kannst Bitcoin-Adressen und auch Keys, also Schlüssel, googeln, beispielsweise über etherscan.io. Sie funktionieren wie eine Konto-Nummer. Jede Person kann die Transaktionen nachverfolgen. Innerhalb von Sekunden hast du Zugriff auf alle Transaktionen. Und nicht nur du, auch die Finanzbehörden. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen unter den Kryptowährungen: Monero und Z-Cash. Die sind nur teilweise transparent. Doch auch hier erwarte ich, dass die Anonymität dereinst durch Transparenz ersetzt werden wird.

 

Was kritisiert wird, ist aber, dass niemand weiss, was da zwei oder mehrere Personen miteinander abwickeln. Wo ist hier die Kontrolle?

Drei wichtige Überlegungen dazu: Tauscht man Bitcoin bei sogenannten Exchanges – so werden Kryptowährungsbörsen genannt – zahlt man Euros oder Schweizer Franken ein und erhält Bitcoins dafür. Und hier muss man sich sehr wohl ausweisen. Es gibt allerdings einen Graubereich und hier ist die Kritik berechtigt: Man kann derzeit bei Bitcoin-Transfers nicht genau feststellen, ob ich wirklich Robby bin, vor allem wenn es Bitcoin-zu-Bitcoin Transfers sind. Diese Kontrolle fehlt aber, wie bereits erwähnt, auch beim Bargeld. Die Stimmen, die das Bargeld abschaffen wollen, sind allerdings nicht besonders laut. Denn es ist schon interessant, dass die 1000-Franken-Banknote 62 Prozent des gesamten Schweizer Geldes ausmacht. Wo zirkulieren diese Banknoten? Online jedenfalls kann man sie nicht finden. Bitcoin hingegen schon.

 

Wer überwacht die Kryptowährungsbörsen?

Die Finanzmarktaufsicht, beziehungsweise das Ministerium des jeweiligen Landes. Das funktioniert inzwischen sehr gut. Nehmen wir Südkorea, wo ich mich beruflich oft aufhalte. Rund 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung besitzt dort Kryptowährungen. Sie sind also bereits zu einem volkswirtschaftlichen Faktor geworden.

 

Kryptowährungen sind in der Schweiz aber immer noch etwas für Spezialisten. Ich kenne niemanden, der seinen Lohn in Bitcoin oder Ethereum ausbezahlt bekommt. Wird sich das schon bald ändern?

Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie stehen 2018 dort, wo Internet und E-Mail 1995 standen. Damals ging es hauptsächlich um das Bereitstellen bzw. um den Austausch von Informationen. Niemand dachte, dass das Internet viel mehr kann und ganze Branchen umkrempeln wird. Mit der Blockchain-Technologie ist es heute genauso. Blockchain nützt allen, aber diese Idee muss erst noch erkannt und weiterentwickelt werden. Deshalb habe ich auch die Initiative #ReturnonSociety gestartet. Mir ist wichtig, dass Blockchain-Anwendungen mit einem Mehrwert für die Gesellschaft entwickelt werden. Zum Beispiel Lösungen für Menschen ohne Bankkonto, um mit dem Mobiltelefon Währungstransfers durchführen zu können. Oder neue Mobilitätslösungen auf Blockchain, wie zum Beispiel www.drivedeal.io, wo Leute ihre privaten Autos vermieten können. Derzeit sind die Städte ja verstopft mit parkenden Blechhaufen. Neue Sicherheitslösungen wie beispielsweise das Schweizer Vorzeigeprojekt www.vaultsecurity.io. Auf dieser Plattform können Menschen ihre Wertsachen registrieren lassen, um bei Diebstahl oder Verlust nachzuweisen, dass dies ihr Eigentum ist.

 

Und wie steht es mit den Kryptowährungen im Alltag?

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich meine Miete, Lebensmittel, das Reisebüro oder den Geschäftspartner mit Kryptowährungen bezahlen kann. Österreich hat bereits in verschiedenen Kaufhäusern Bitcoin-Automaten und Bitcoin-Stores, zum Beispiel das House of Nakamoto in Wien. Ich selber werde bereits etwa zu 50 Prozent in Kryptowährungen bezahlt, die ich in Österreich, wo ich meinen Wohnsitz habe, auch versteuere. Es ist allerdings noch immer eine Herausforderung, meine Einkommens-Steuererklärung zu erstellen, obwohl meine Steuerberaterin eine ausgewiesene Krpytowährungs-Expertin ist.

 

Was macht dich so zuversichtlich, dass Blockchain allen einen Nutzen bringt? Werden durch die neun Technologie nicht nur die immer Gleichen, welche die Mittel dazu haben, noch reicher und mächtiger?

Blockchain startete als Projekt gegen den aufgeblähten Finanzapparat. Im Januar 2009 forderte der Britische Premierminister eine zweite Bankenrettung. Warum sollen marode Banken gerettet werden? Das Bitcoin-Projekt als erste Blockchain-Anwendung wollte die Auswüchse der Finanzindustrie mit einem Gegenkonzept konfrontieren und ein Finanzsystem ohne Banken, ohne Optionen, Futures und Spekulationsprodukte schaffen. Dieses Gegenkonzept wird sich langfristig durchsetzen. Die Machtblöcke der Finanzindustrie, von Internetgiganten und Staaten könnten auf lange Sicht dank Blockchain ihre Monopolmacht verlieren. Niemand wird mehr Daten sammeln können und dafür kassieren wie heute beispielsweise Facebook. Oder die Pharma-Riesen, die Geschäfte mit Patienten-Daten machen wollen. Mit Blockchain könnten die Daten anonymisiert werden und ich wäre wieder Herr über meine eigenen Daten. Das gefällt mir. Wenn nur drei, vier Personen mitmachen, hat das noch keinen Effekt. Bei Millionen von Menschen schon.

 

Kommen wir zurück auf deine Initiative „Return on Society“. Welche Projekte gibt es, die der Gesellschaft mit Kryptowährungen und Blockchain-Technologie einen Mehrwert zurückgeben?

Ein Beispiel ist der Verkauf von Sonnenenergie von Peer zu Peer statt über Anbieter, beispielsweise wenn der Nachbar eine Fotovoltaik-Anlage hat und mir direkt Energie verkauft. Im Energiebereich haben die Platzhirsche zurzeit noch eine Monopol-Stellung. Sie können die Preise bestimmen und so viel Geld verdienen. Weitere Anwendungen werden in der Mobilität kommen. In Zukunft wird ein Auto allen gehören und wir werden es mieten, wenn wir es brauchen. Das Auto selber wird die Firma sein. Es liefert eine Leistung, indem es mich von A nach B bringt, sich selber wartet und Einkommen generiert. Die Prozesse, die es dafür braucht lassen sich super mit Blockchain abwickeln. Das Auto der Zukunft läuft natürlich elektrisch. Es könnte auch direkt an grüne Energie gekoppelt werden und in Stromeinheiten bezahlt werden. Es muss nicht immer Geld sein. Das Internet der Dinge ist schon da. In Südkorea sind die Menschen von Mega-Cities und der neusten Technologie begeistert. Unsere Zukunft wird in Asien entschieden werden, nicht in Europa. Dort leben die meisten Menschen. Wenn wir mithalten wollen, müssen wir verstehen, was da gerade passiert. Ein weiteres Projekt, das mich interessiert ist Islamic Banking. Der Koran verbietet, Geld zu Spekulationszwecken zu nutzen, es darf nur als Tauschmittel eingesetzt werden. Auch hier wird Blockchain und eine Kryptowährung eingesetzt werden, die nach den Prinzipien sozialer Verträglichkeit gehandelt wird.

 

Wo steht Blockchain jetzt und wie sieht die Zukunft aus?

Wie das Internet ist Blockchain zunächst von Programmieren für Programmierer gemacht und so schaut’s halt noch aus. Nutzerfreundliche Browser, Programme und Apps, an die wir gewöhnt sind, fehlen noch. Doch auch Blockchain wird nutzerfreundlicher werden und ich bin sicher, bald werden wir gar nicht mehr merken, dass wir Blockchain benutzen. Wir werden mit Schweizer Franken, Euros oder Kryptowährungen bezahlen und das wird normal sein. Aber wir müssen uns auch den ethischen Fragen stellen: Welche Projekte fördern wir? Wo gibt es einen gesellschaftlichen Mehrwert? Und dann klug mit der Blockchain-Technologie umgehen.

 

 

Über Crypto-Robby
Robert Schwertner nennt sich Robby, weil sein Vater den gleichen Vornamen trägt. In der Crypto-Szene ist er als CryptoRobby bekannt und der Name ist gleichzeitig eine EU-weit eingetragene Marke. CryptoRobby ist Experte für Blockchain Technologie und Kryptowährungen. Er berät Start-ups und Unternehmen in den Bereichen Blockchain und deren Anwendungen. Robby Schwertner ist Autor bei www.wallstreet-online.de und berichtet über aktuelle Entwicklungen im Bereich Kryptowährungen. Darüber hinaus ist er Sprecher auf internationalen Blockchain-Konferenzen, unterstützt den Österreichischen Normungsausschuss bei der Begriffsdefinition dieser neuen digitalen Technologie. Bevor er seine Aktivitäten im Bereich Blockchain startetet, leitete Robby Schwertner bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft das Forschungsprogramm Stadt der Zukunft, das sich schon frühzeitig mit Blockchain-Lösungen im Energiebereich für Smart Cities beschäftigte. Darüber hinaus war Robby Schwertner länger in China bei Industrieunternehmen im Energie- und Nanotechnologiebereich tätig. Mehr über Crypto Robby und Kontakt: https://cryptorobby.blog/me sowie www.linkedin.com/in/robby-schwertner/

4 Clever Ideas on How to Protect the Climate

Leider ist der Eintrag nur auf Englisch verfügbar.

Incentives for Zurich citizens to reduce their energy consumptions and a community of urban farmers to make Zurich an „edible“ city: In the latest Kraftwerk blog post you will learn about 4 innovative ideas on how to protect the climate and about the 24-hours hackathon Climathon, that will again take place on October 26 at Kraftwerk. Read the whole blogpost.

 

Want to hack for climate yourself? Sign up for Climathon 2018 now!

 

„Befasst euch mit ICO, es wird die Wirtschaftswelt verändern!“

Die Blockchain-Branche wächst rasch, ein neues Ökosystem entsteht samt speziellen Jobprofilen. Wer vor der komplexen Materie nicht zurückschreckt und bereit ist, sich ins Thema reinzuknien, hat gute Chancen auf einen interessanten Job. Aliya Das Gupta ist eine dieser Neugierigen, die sich die Welt von ICO und Blockchain erschlossen haben. Im Interview berichtet sie, wie sie ins Zuger Crypto Valley gelangt ist, was dort ihre Aufgabe ist und für welche Art von Firmen ein ICO Sinn macht.

 

Als Aliya Das Gupta(1) in die Schweiz kam, wollte sie möglichst rasch wieder arbeiten. Und weil sie neugierig und offen auch für ungewöhnliche Job-Möglichkeiten war, nahm sie das Angebot einer Blockchain-Firma ohne zu zögern an. „Das Blockchain Business wächst enorm schnell“, sagt Aliya. „Wenn du Arbeit finden möchtest diese neue Branche braucht gute Leute.“ Dass das Thema Blockchain komplex ist und hier vieles noch in den Kinderschuhen steckt, hat sie nicht abgeschreckt. Wer dabei sein wolle, müsse sich eben informieren und bereit sein, viel zu lernen. Aliya tat dies gründlich und mit so viel Engagement, dass sie bei der jetzigen Firma innert kürzester Zeit von der Teilzeit-Angestellten, die White Papers (2) verfasste, zum Research Consultant und schliesslich zum Head of Research befördert wurde. „Da war auch viel Glück dabei“, sagt Aliya bescheiden. Doch Erfolg besteht bekanntlich zu 99 Prozent aus Schweiss. Ihr Studium und die Arbeitserfahrung auf dem Gebiet „Research and Policy “ kamen Aliya zugute: Die Branche brauche Leute, die es verstünden, komplexe Inhalte zu analysieren und einfach zu erklären, sagt sie. Stellen wir ihr also ein paar Fragen.

 

Aliya Das Gupta – Head of Research at Bussmann Advisory

 

Wer sind die Kundinnen und Kunden, die Unterstützung beim ICO brauchen?

Es sind Firmen, die Kapital benötigen, deshalb ein Initial Coin Offering ICO (3) launchen wollen und dafür Hilfe brauchen. Ich arbeite bei Bussmann Advisory, die auf dieses Thema spezialisiert sind. Meine Aufgabe dort ist es, zu prüfen, ob die Kunden die Bedingungen für ein ICO erfüllen. Für manche Projekte ist es zudem nötig, zu recherchieren.

 

Was sind denn die Kriterien, die für ein ICO erfüllt sein müssen?

Natürlich braucht es eine gute Business-Idee und die muss auf der Blockchain-Technologie aufgebaut sein. Diese Idee muss sodann in einem White Paper verständlich und überzeugend dargelegt werden. Und ausserdem braucht es ein gutes Team, das die ICO abwickeln kann. Manchmal sind zusätzlich externe Experten nötig. Weiter muss das neue Produkt oder der neue Service bereits eine grosse Anzahl Nutzer haben. Und es müssen institutionelle Investoren sowie Venture Capital vorhanden sein.

 

Ist ICO nur etwas für Start-ups?

Nein, ICO wird auch von grossen Unternehmen und Banken genutzt. Beispielsweise plant Singapur Airlines einen ICO für ihr Loyalty-Programm KrisPay.

 

Wer spielt in der Blockchain-Welt ausserdem eine Rolle?

Für das globale Blockchain-Ökosystem sind Organisationen wie zum Beispiel das Blockchain Research Institute in Kanada von Bedeutung. Die haben viel Erfahrung mit ICO. Wichtig ist auch der regelmässige Austausch in der Arbeitsgruppe der Crypto Valley Association in Zug, wo ich ebenfalls Mitglied bin.

 

Wann lohnt es sich für eine Firma, ein ICO durchzuführen?

Die Firma muss innovativ sein, gute Markt-Chancen haben, skalierbar sein und ausreichend potenzielle Kunden vorweisen können. Ganz wichtig ist, dass Blockchain wirklich der Kern des Business Case ist. Firmen, welche diese Voraussetzungen erfüllen, haben gute Chancen, dass der ICO gelingt. Die meisten dieser Firmen sind in den Branchen FinTech, Gesundheitsversorgung, Video Games oder Mobilität tätig. Weitere Unternehmen sind im Supply Chain Management aktiv und verwenden beispielsweise Smart Contracts (4). Gerade in den Smart Contracts steckt ein grosses Potenzial. Hier geht es um die Zustimmung (approvals) unterschiedlicher Parteien zu geschäftlichen Vereinbarungen und Prozessen. Mit Smart Contracts kann Vertrauen zwischen den Parteien aufgebaut werden, sodass keine Kontrollorgane mehr nötig sind, weil alles transparent abgewickelt wird. Werden Vertragsabschlüsse auf traditionelle Weise – und mit Hilfe Dritter – abgewickelt, ist das kompliziert und dauert relativ lang. Mit Smart Contracts kann der gesamte Prozess beschleunigt, vereinfacht, und transparenter gestaltet werden. Dies wirkt sich auch positiv auf die Kosten aus.

 

Kannst du uns ein Beispiel, einer Blockchain-Anwendung nennen?

Ein gutes Beispiel für Smart-Contracts ist die Firma Smartcontainers.. Das Start-up ist gerade dabei, den Versand von Pharma-Artikeln in Containern zu revolutionieren. Pharma-Artikel sind teure Güter, die leicht verderben können. Es ist deshalb sehr wichtig, dass die Temperatur in den Containern im vorgeschriebenen Bereich bleibt. Die Smart-Container können sich selber überwachen. Sie melden laufend die Temperatur im Container, die sich auch selber regulieren kann. Weiter informiert der Container über seinen aktuellen Aufenthaltsort. Das ganze System basiert auf Smart-Contracts, d.h. alle Geschäftspartner wissen jederzeit Bescheid über die wichtigsten Eckdaten des Geschäftsprozesses. Auch die Rechnungen laufen über Smart Contract Payment und über Crypto-Währungen. Das ist ein wichtiger zusätzlicher Nutzen für alle Geschäftspartner.

 

Dies alles klingt aber doch etwas kompliziert…

Ja, so ist es. ICO gehen nicht mehr so locker über die Bühne wie noch vor ein paar Jahren. Damals reichte es in manchen Fällen, dass zwei Jungunternehmer eine coole Idee hatten und schon standen die Investoren Schlange. Das geht heute nicht mehr. Für ein ICO braucht es ein ganzes Team von Spezialisten, die unterstützend zur Seite stehen: Spezialisierte ICO-Berater, Rechtsanwälte, Steuerberater, IT-, Marketing- und PR-Fachleute. Einen Security Audit durchzuführen gehört inzwischen ebenfalls zum Standard, um Hacks vorzubeugen. Ausserdem gibt’s vor dem eigentlichen Initial Coin Offering die Vorverkäufe, die Pre-Sales. Die können umfangreicher sein als der ICO selber.

 

Was ist der Unterschied zu anderen Investitionsarten?

Bei Venture Capital wird erwartet, dass das Geld innerhalb von 10 bis 12 Jahren zurückfliesst. Bei einem ICO ist diese Frist viel kürzer, etwas 2 bis 3 Jahre. Nehmen wir ein Token mit einem Wert von 1000 Franken. Das kann sofort über einen Online Exchange gehandelt werden. Man spricht dann von einem kurzfristigen Cash out.

 

Ist ICO eine Möglichkeit, schnell zu Geld zu kommen?

Nein, ICO ist keine schnelle Geschichte. Es dauert sechs bis neun Monate, um den Prozess und einen Smart Contract aufzusetzen. Und das Start-up braucht ein starkes Team, das wirklich hinter der jungen Firma steht, sich voll und ganz einsetzt und über das nötige Knowhow verfügt. Die Investoren sind zwar oft weit weg, vielleicht in Korea. Doch sie recherchieren die Gründer sorgfältig: Beispielsweise checken sie deren Credibility über LinkedIn sowie über die gängigen Crypto-Netzwerke.

 

Welche Arten von Business eignen sich für den ICO?

Man braucht ein Token, das die Leute unbedingt haben wollen. Ein Produkt, nach dem es eine echte Nachfrage gibt oder einen Service, der ein Problem löst. Civic.io ist so ein Beispiel. Hier wird die Identitätsbeglaubigung von Personen inklusive Datenschutz durch Blockchain genutzt. Diese Dienstleistung hat Milliarden potentieller Nutzer und löst ein real existierendes Problem für staatliche Behörden oder beispielsweise NGOs, die mit geflüchteten Menschen zusammenarbeiten.

 

Man hört und liest viel über die Risiken und Gefahren von ICOs. Was sagst du dazu?

2017 ist das Blockchain-Geschäft und damit die Zahl der ICOs explodiert. Inzwischen hat sich die Sache etwas abgekühlt. Die Investoren verlangen eine sorgfältige Risikoprüfung, eine Due Diligence. Denn viele Gründer sind noch sehr jung. Deshalb sind gute Beraterinnen und Berater sehr wichtig. Sie reden bei der Entwicklung der jungen Firma mit und helfen, die richtigen Spezialisten zu finden. Aber natürlich weiss niemand im Voraus, welche Pferde gewinnen werden, dieses Riskio bleibt. Was aber klar ist: Blockchain ist nicht mehr der Wilde Westen für Start-ups, sondern dabei, ein normales Business zu werden – mit all den nötigen Regulierungen.

 

Wie schätzt du die Zukunft von ICO und Blockchain ein?

Blockchain ist mehr als ein Buzz-Word. Blockchain kann die perfekte Idee für ein Business sein und es massiv verbessern. Es wird ganze Branchen umkrempeln und in Zukunft einen grossen Einfluss auf unser Leben haben. Deshalb sollten alle wissen, worum es bei Blockchain und ICO geht. Mein Rat: Befasst euch mit ICO, es wird die Welt verändern.

 

1) Aliya Das Gupta arbeitet im Zuger „Crypto Valley“. Sie ist 29 Jahre alt und arbeitet als Head of Research bei der Firma Bussmann Advisory AG. Das Gupta stammt aus Bangalore, Indien, ist verheiratet und lebt seit 2017 mit ihrem Ehemann, einem Isländer, in der Schweiz. Sie ist Kommunikationsspezialistin und besitzt einen Masterabschluss in „Global Media and Communication“ der University of Melbourne, Australia. Anschliessend hat sie im Bereich „Research and Policy“ für einen führenden indischen Think Tank und für Indiens zweitgrösste politische Partei gearbeitet. Aliya Das Gupta ist Mitglied des Impact Hub Zürich. Was Aliya im Interview berichtet, ist ihre persönliche Sicht der Dinge. Das Interview wurde auf Englisch geführt.

 

2) Ein White Paper ist eine Übersicht über Leistungen, Standards und Technik zu einem Themengebiet, ursprünglich vor allem im IT-Bereich. White Papers werden immer öfter als Marketing-Instrumente eingesetzt, insbesondere bei ICOs für die Gewinnung von Investoren.

 

3) Beim Initial Coin Offering (ICO) handelt es sich um ein sehr ähnliches Konzept wie bei einem Börsengang (Initial Public Offering, IPO). Statt Aktien werden beim ICO jedoch Tokens verkauft. Sie dienen als Währung, um das betreffende Projekt zu finanzieren. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Tokens: 1. Nutzungs-Token, die Zugang zu einer (zukünftigen) Nutzung oder Dienstleistung geben, 2. Anlage-Tokens, d.h. Vermögenswerte wie z.B. Anteile an Unternehmen, Erträgen oder ein Anspruch auf Dividenden oder Zinszahlungen (vergleichbar Aktien oder Obligationen). 3. gibt es auch Zahlungs-Tokens, d.h. reine „Kryptowährungen“, die nicht mit weiteren Funktionalitäten oder mit Projekten verknüpft sind. Beispiel eines Nutzungs-Tokens ist der von storj.io angebotene Speicherplatz. Vgl. zum Thema ICO den Blogpost .

 

4) Smart Contracts sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen oder die Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags technisch unterstützen. Eine schriftliche Fixierung des Vertrages (auf Papier oder in einer Datei) wird damit unter Umständen überflüssig. Smart Contracts können zum Beispiel die Handhabung von Copyright-Lizenzen oder finanzielle Transaktionen abbilden. (Wikipedia)

 

Initial Coin Offering ICO – der schnelle Weg zu viel Geld?

Du weisst bereits alles über ICO und Blockchain? Dann lies nicht weiter und nutze die gesparte Zeit für ein erfrischendes Bad oder zum Meditieren. Verstehst du jedoch bei ICO nur Bahnhof oder denkst an die International Coffee Organization, dann ist es höchste Zeit, diesen Blogpost über Initial Coin Offering (ICO) und Blockchain zu lesen.

 

Ein Start-up im Geldregen

„Zuger Start-up sammelt in zwei Tagen 25 Mio. Dollar ein“, so titelten die Handelszeitung und weitere Wirtschaftspublikationen im Februar 2018. Ein Start-up stand fast über Nacht im Geldregen! Es heisst Proxeus und arbeitet auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie. Sein Domizil ist in Zug, im sogenannten Crypto Valley. Hier, genauer an der Hochschule Luzern, fand im Juni dieses Jahres auch die internationale Crypto Valley Blockchain-Conference statt und in Zug ist auch der Sitz der Crypto Valley Association. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, „das weltweit führende Ökosystem auf dem Gebiet von Blockchain und Kryptographie-Technologie (Verschlüsselung) zu werden“.

 

Blockchain-Technologie für dich und mich

Doch zurück zu Proxeus. Schauen wir uns dieses Beispiel doch etwas genauer an, um zu verstehen, wie Proxeus zum Liebling der Investoren wurde. Womit beschäftigt sich das Start-up? Proxeus beschreibt das Produkt, das es entwickelt hat, als „WordPress für die Blockchain“ und verspricht eine standardisierte Lösung, die Blockchain-Technologie allen zugänglich macht. So wie es mit WordPress plötzlich möglich wurde, dass jede*r ganz ohne Programmierkenntnisse selbst eine Website bauen konnte, so einfach anwendbar soll nun auch die Blockchain-Technologie werden. Das eigentliche Produkt war zwar beim Initial Coin Offering (ICO), noch nicht fertig, aber es lag eine Beta-Version vor, mit der Proxeus innerhalb von 48 Stunden rund 800 Anleger*innen überzeugen konnte, sogenannte Tokens (digitale Anteile) für 25 Millionen US-Dollar zu erwerben.

 

Tokens als Währung, um ein Projekt zu finanzieren

Der Begriff Initial Coin Offering (ICO), auch Token Sale genannt, lehnt sich an die englische Bezeichnung für Börsengang, Initial Public Offering (IPO), an. Statt Aktien werden beim ICO jedoch Tokens verkauft. Sie dienen als Währung, um das betreffende Projekt – bei Proxeus die Entwicklung der „Wordpress-Technologie für Blockchain“ – zu finanzieren. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Tokens: 1. Nutzungs-Token, die Zugang zu einer (zukünftigen) Nutzung oder Dienstleistung geben, 2. Anlage-Tokens, d.h. Vermögenswerte wie z.B. Anteile an Unternehmen, Erträgen oder ein Anspruch auf Dividenden oder Zinszahlungen (vergleichbar mit Aktien oder Obligationen). 3. Gibt gibt es daneben aber auch Zahlungs-Tokens, d.h. reine „Kryptowährungen“, die nicht mit weiteren Funktionalitäten oder mit Projekten verknüpft sind. Weitere Informationen zum Thema Tokens gibt’s in der Wegleitung der Schweizerischen Finanzmarkt-Aufsicht Finma.

 

Blockchain – Technologie der Zukunft

Die Abwicklung des traditionellen Börsengangs wird in der Regel von einer Investmentbank (dem sogenannten Underwriter) oder einem Konsortium aus mehreren Investmentbanken vorgenommen, die der Schweizerischen Bankenaufsicht Finma unterstehen. Nicht so beim ICO. Hier werden die Tokens mit Hilfe der Blockchain-Technologie verkauft – von Computer zu Computer – und deshalb braucht es keine Vermittler (Banken) mehr. Blockchain ist, gemäss Wikipedia, das Verfahren der kryptografischen Verkettung in einem dezentral geführten Buchführungssystem und die technische Basis für Kryptowährungen (wie beispielsweise Bitcoin, Ether, Monero etc.). Doch die möglichen Anwendungen von Blockchain sind viel breiter und stehen  – ähnlich wie einst beim Internet – erst ganz am Anfang. Blockchain kann nämlich nicht nur für Geldgewinnung und -Transaktionen eingesetzt werden, sondern auch um dezentral (also ohne Vermittler) Verträge abzuschliessen und um komplexe Prozesse einfach, schnell und transparent zu managen. Die Investoren haben Proxeus auch deshalb die Türen eingerannt, weil die Blockchain-Technologie als eine der wichtigsten Zukunfts-Technologien mit unzähligen, erst erahnbaren Möglichkeiten gilt. Wenn ihr nun etwa genauer wissen wollt, wie die Zukunftstechnologie Blockchain funktioniert, schaut euch dieses leicht verständliche Erklär-Video an.

 

Hohes Risiko, Geldwäscherei und Terrorfinanzierung – Kritik an ICO und Kryptowährungen

Doch beim fehlenden Vermittler – und der somit fehlenden Kontrolle, welche dieser z.B. als Bank gleichzeitig ausüben sollte – setzt denn auch die Kritik an. So warnt (nicht nur) die Finma, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Tokens, die bei ICOs erworben werden, grossen Preisschwankungen unterworfen sein werden. ICO-Projekte seien noch in einem frühen Stadium der Entwicklung und somit grossen Unsicherheiten ausgesetzt, sagt die Finma. Sie hat nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche sich bis Ende 2018 speziell mit ICO-Projekten und den Schweizer Regulierungsvorschriften auseinandersetzen soll. Neben dem Ziel, Investoren vor Verlusten zu schützen, gibt es aber ein noch viel gravierenderes Problem. Wie „Echo der Zeit“ in einem Bericht Anfang Jahr darlegte, gelten Kryptowährungen auch als „Spielzeug von Spekulanten und Kriminellen“ um Geld zu waschen und sich im Schatten des regulierten Finanzmarktes zu bewegen. Nicht nur können Kryptowährungen dazu missbraucht werden, Geld vor Steuerbehörden zu verstecken, sondern sie können auch zur Finanzierung von Terrorismus dienen. Schätzungen der Strafverfolgungsbehörde Europol gehen davon aus, dass im Jahr 2017 4,5 Mia. EU in Kryptowährungen gewaschen worden sind.

Doch im Bereich ICO ist inzwischen einiges im Wandel: War es vor ein, zwei Jahren in einigen Fällen noch möglich, auf der Basis einer Ideen-Skizze Tokens zu verkaufen, so braucht es heute eine seriöse, sorgfältige Vorbereitung für ein ICO und eine gut dokumentierte, ausgereifte Business-Idee. Die Anforderungen der Investoren sind strenger geworden, die Erwartungen höher. Mehr darüber, was es für ein ICO heute braucht, wird uns im nächsten Blogpost die Blockchain-Expertin Aliya Das Gupta berichten.